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Von der Endzeitsekte zum Meilemer Pfarramt

Sein Weg führte Mike Gray über Rom an die reformierte Kirche nach Meilen. Ihn interessiert vieles, etwa die Rhetorik von Fantasy.

Von Bettina Bernet-Hug Meilen – Mike Gray, das könnte der Name eines Actionhelden sein, aber bestimmt nicht derjenige eines Pfarrers in einer Zürichseegemeinde. Und in der Tat: Hinter dem Namen verbirgt sich die vielseitige Lebensgeschichte eines Mannes, der am 1. Juni sein Amt als reformierter Pfarrer in Meilen angetreten hat. 1972 wurde Gray in Chicago geboren. Seine Eltern waren Mitglieder einer Endzeitsekte, später wurde sein Vater Baptistenpfarrer. Mit fünf Jahren zog Gray mit seiner Familie nach Budapest, wo sein Vater die Kommunisten bekehren wollte. Als er zehn Jahre alt war, siedelte die Familie nach Sizilien um. Dort versuchte sein Vater eine Baptistengemeinde zu gründen, was ihm im streng katholischen Italien nicht gelang. Mike Gray wurde mit 18 Jahren in eine Bibelschule nach Rom geschickt, später studierte er an einem Baptistenseminar in Amsterdam. In Rom lernte Gray seine spätere Frau kennen. Mit ihr kam er im Alter von 23 Jahren in die Schweiz. Hier wollte er eigentlich promovieren, doch sein Fernstudium an einer amerikanischen Highschool wurde nicht anerkannt. In der Evangelischen Täufergemeinde fand er aber Unterschlupf und konnte zusammen mit seiner Frau in Basel eine Jugendwohngemeinschaft des Kinder- und Jugendwerks des Blauen Kreuzes leiten. 1999 kam er nach Erlenbach als Gemeindeleiter und Gründer der Täufergemeinde. Harry Potter und der Glaube In zwei Jahren machte er sein Lizenziat bei den Katholiken in Freiburg. Gray zog es während dieser Zeit immer mehr zur Landeskirche. Er begann als Jugendarbeiter in der reformierten Kirche der Gemeinde Stäfa zu arbeiten. «Ich war endlich angekommen», sagt Gray rückblickend. So abenteuerlich wie sein Leben ist auch das Thema seiner Doktorarbeit: «Transforming Transcendence: Fantasy Rhetorics and Contemporary Visions of Religious Identity». Religiöse Identität in Fantasy-Fiction – was geben Geschichten wie «Harry Potter» in Glaubensdingen her? Was kann die Theologie von solchen Erzählungen lernen? Diesen und ähnlichen Fragen wollte Gray in seiner Arbeit nachgehen. Seine akademische Neugier wollte er eigentlich definitiv an der Universität befriedigen. Doch der Stäfner Pfarrer Roland Brendle und viele andere motivierten ihn fürs Pfarramt. So absolvierte Gray vor drei Jahren das Vikariat in Meilen. Dank eines Forschungskredits konnte er seine Dissertation an der Reformierten Fakultät der Universität Zürich abschliessen. Daneben machte Gray Vertretungen in Bülach, Effretikon und an der International Church in Zürich. Die internationale Gemeinschaft ist ihm, unterdessen zweifacher Vater, nach wie vor wichtig. Mike Gray.

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