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Von der Schwierigkeit, organisiert zu jubelnEs ist schwierig, organisiert zu jubeln

Wenn sich in der Welt Grosses ereignet, gibt es in Zürich eine Demo. Ausser sie wird über Nacht abgesagt.

Von Helene Arnet Zwei Polizistinnen, zwei Handvoll Jungsozialisten (Jusos), eine Frau mit Kinderwagen und eine Aargauerin, welche sich für die Palästinenser in Israel einsetzt: Sie alle kamen am Samstagnachmittag zum Freudenfest über den Rücktritt Mubaraks auf den Winterthurer Neumarkt. Und ein Ägypter. Verdatterte Journalisten umringen Fawzy Malash. Wo sind seine Landsleute? Freuen die sich denn gar nicht? «Schon», sagt der ägyptische Ingenieur verlegen. «Aber eben eher unter sich, im kleinen Kreis.» Er habe die Demonstration über Nacht abgesagt, weil er befürchtete, dass nicht genug Landsleute kommen würden. Nebenan im Untertor drängeln sich Kauffreudige, Vögelchen jubilieren in den Frühlingstag hinaus, auf dem Neumarkt schwenkt ein Juso seine Fahne. Ursprünglich war eine Protestdemonstration angesagt, zu der sich auch Nationalräte und Kantonsrätinnen angekündigt hatten. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Statt protestiert werde gejubelt, kündigten die Organisatoren darauf an (TA vom Samstag). «Wir haben von der Absage nichts mitbekommen», grinst einer der Jungpolitiker. «Wir wollten die Unabhängigkeitsbewegung in den arabischen Staaten unterstützen – und unsere Kantonsratsliste unter die Leute bringen.» «Internationale Solidarität», skandiert sein Kollege laut. Ein einsamer Rufer in der Wüste. Anti-Bunga-Bunga Organisiert zu protestieren ist einfacher, als organisiert zu jubilieren, wie ein Szenenwechsel zeigt. Samstag um elf, derselbe Frühling, ein anderer Standort. Die italienische Botschaft an der Tödistrasse in Zürich. 200 Leute treffen sich zur Anti-Bunga-Bunga-Demonstration. Bunga-Bunga steht für die Sexpartys des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Frauen schlagen mit Kochlöffeln auf Pfannen, durch das Megafon hallen kämpferische Worte. «Quanti perfetti inutili buffoni», steht auf einem Plakat. Doch könne über diese italienische Komödie niemand mehr lachen. Eine junge Frau wehrt sich gegen das Frauenbild, welches die Regierung Berlusconi vermittle: «Wir sind moderne Frauen, nicht nur Hausmütterchen oder Prostituierte.» Eine andere klagt, dass Italien nur noch durch Berlusconis Eskapaden wahrgenommen werde. «Das wahre Italien ist das der fleissigen und anständigen Arbeiter.» Viele sagen: «Wir schämen uns für dieses Bunga-Bunga.» Noch schlimmer sei aber: Berlusconi unternehme nichts gegen die Mafia und nichts für bessere Arbeitsplätze. Es gehe um die Ehre seines Landes, sagt ein Mann. «Berlusconi come Mubarak. Raus!» Jubeldemo zum Rücktritt Mubaraks auf dem Winterthurer Neumarkt, doch nur Jusos und Journalisten gingen hin.Foto: Nicola Pitaro

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