Zum Hauptinhalt springen

Von Ev Manz

Im neu renovierten Bad am linken Zürichseeufer wird von Begleitpersonen Eintritt verlangt, wenn sie Kinder in den Schwimmkurs bringen.

Von Ev Manz Kilchberg – Regula Keller* hat sich nach dem neuen Kilchberger Hallenbad gesehnt: Endlich kann ihr Sohn wieder vor der Haustür einen Schwimmkurs besuchen. Doch schon nach dem ersten Kurstag war ihre Freude getrübt. Damit sie ihren Sohn der Schwimmlehrerin in der Halle übergeben konnte, musste sie selber den vollen Eintrittspreis bezahlen. Der ist mit 8 Franken im Vergleich mit anderen Hallenbädern hoch. Und da sie ihre kleine Tochter währenddessen nicht unbeaufsichtigt lassen wollte, musste sie zusätzlich einen halben Eintritt lösen. «Für zweimal zehn Minuten Begleitung 12 Franken zu verlangen, ist doch absurd», sagt Keller. Dazu kommen weitere 4 Franken für den Eintritt des Sohnes. In Kilchberg bezahlen Kinder ab dem vierten Altersjahr den halben Eintrittspreis. Keller zahlte damit an jedem Kurstag 16 Franken Eintritt. WC-Besuch inbegriffen Kinder unter zehn Jahren dürfen das Bad in Kilchberg nur in Begleitung Erwachsener betreten. Das besagt die Baderegel. Keller hat dafür vollstes Verständnis. Nicht jedoch für den Preis, den sie dafür zahlen muss. Sie fragte deshalb gleich nach dem ersten Kurstag an der Kasse nach, worauf diese Richtlinien basierten. Es hiess, das sei in Kilchberg seit Jahren Usus, man könne für den Preis auch das WC benützen, die Hände waschen oder baden gehen. «Doch diese Argumentation stellt die Regel völlig in den Schatten. Es geht um die Grundhaltung. Da fühle ich mich in Kilchberg als Familie nicht willkommen», sagt Keller. Sie gelangte daraufhin an die Gemeinde, im Wissen, dass es anderswo grosszügiger gehandhabt wird. Auf das Begehren von Keller hin revidierte Kilchberg das Eintrittssystem. Künftig müssen die Begleitpersonen nur noch den halben Eintrittspreis bezahlen. Die Gemeinde argumentiert, sie sei ans Budget gebunden und müsse die Kosten des für gut 16 Millionen Franken sanierten Bades decken. Keller gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Als Steuerzahlerin leiste sie bereits einen Beitrag zum Hallenbad. «Da verstehe ich nicht, weshalb die Gemeinde fürs Begleiten überhaupt einen Beitrag verlangt. Ich nehme ja absolut keine Leistungen in Anspruch», sagt sie. Stattdessen konsumiere sie während der 30-minütigen Wartezeit einen Kaffee oder gar mehr im Bistro. Ihr ist es auch ein Anliegen, dass auf andere Kilchberger Familien Rücksicht genommen wird, für die schon der Preis des Schwimmkurses kaum erschwinglich sei, geschweige denn das zusätzliche Ticket für die «Trockenbader». Eine andere Haltung zeigen die Verantwortlichen des Hallenbades Langnau. «Wer nur in der Halle ist, ohne zu schwimmen, der braucht ja unsere Infrastruktur nicht», sagt Bademeister Thomas Hurni. Man sei im Gegenteil froh, dass mit den Eltern weitere Aufsichtspersonen anwesend seien. Aus ähnlichen Überlegungen gebe es auch keine Altersgrenze, ab welcher Kinder sich alleine im Bad aufhalten dürfen. Grundsätzlich sei für die Kinder die Begleitung einer erwachsenen Person Pflicht. Mögliche Abwanderung Die Eltern in die Verantwortung zu ziehen, das begrüsst auch Schwimmlehrerin Monika Rossi. Deshalb steht sie hinter den Baderegeln in Kilchberg. Doch sie kennt auch die Handhabung von Langnau, wo sie ebenfalls unterrichtet. Im Nahen Schwimmbad bezahlen Begleitpersonen nichts. «Deshalb könnte ich mir schon vorstellen, dass sich in absehbarer Zeit Eltern von Kilchberg abwenden und ihre Kinder in einem anderen Hallenbad in den Kurs schicken», sagt sie. Keller will Kilchberg vorderhand treu bleiben: «Das Hallenbad Kilchberg erreichen wir zu Fuss. Es wäre ja widersinnig, dafür Kilometer mit dem Auto zu fahren.» Und sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass Kilchberg nach dem ersten Rummel ums neue Hallenbad das Eintrittsregime aus Distanz betrachten und familienfreundlicher gestalten wird. * Name der Redaktion bekannt

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch