Zum Hauptinhalt springen

Von Manuel Naegeli

Von Manuel Naegeli Uster – Im Moment erlebt Simon Wiener eine aufregende Zeit: Am Montag spielte er mit dem Stringendo Zürich im Rahmen des Zürcher Festivals «Herbst in der Helferei», gestern Mittwoch mit einem Streichquartett seine Komposition, ebenfalls in der Helferei. Heute und morgen ist er mit dem Neuen Zürcher Orchester unterwegs, nächste Woche stehen Konzerte mit dem Jugend-Sinfonieorchester Zürich an. Dazu kommen tägliche Proben mit den Orchestern und minutiöses, stundenlanges Üben zu Hause. Trotzdem macht Wiener einen entspannten und lockeren Eindruck. Begabter als andere Mit viereinhalb Jahren hat Wiener mit dem Geigenspiel begonnen. «Ich habe schon als Kind Musik sehr gerne gehabt und zur Musik getanzt», erzählt der 16-Jährige mit leuchtenden Augen. «Meine Eltern haben mir dann vorgeschlagen, Geige zu spielen», und bald habe man gemerkt, dass er begabter sei als andere, erzählt der zurückhaltende Wiener, der nicht aus einer Musikerfamilie stammt. Parallel zum Notenlesen lernte er auch das Notenschreiben, das Komponieren. Schon bald erspielte sich der Ustermer erste Preise am Schweizer Jugendmusikwettbewerb. Vor sechs Jahren wechselte er dann ans Konservatorium Zürich zu Jens Lohmann, der ihn bis heute am entscheidendsten geprägt hat. Viele weitere nationale und auch internationale Erfolge, ob als Solist, Kammermusiker oder Komponist, kamen in seinem Palmarès dazu. Fähigkeit, Motivation, Umfeld Zwischen drei und fünf Stunden übt Wiener täglich. Neben dem Fleiss seien aber auch Begabung, Motivation und ein richtiges Umfeld notwendig, um eine gute Leistung zu erbringen, betont das Ausnahmetalent, welches mit dem absoluten Gehör gesegnet wurde. «Mit dem Ziel vor Augen, einmal ein ganz grosser Violinist zu werden, macht das Üben fast immer Spass», begründet Wiener seine enorme Disziplin. Diesen Sommer hat er die Aufnahmeprüfung an die Hochschule mit der Bestnote geschafft und arbeitet nun als Jungstudent mit Zakhar Bron zusammen – wenn dieser nicht gerade in Madrid, Köln oder Tokio tätig ist. Bron gilt als einer der herausragendsten Geigenlehrer der heutigen Zeit, der schon namhafte Grössen wie Maxim Vengerov oder David Garrett betreut hat. Die Geigenstunden zeichnet der schweizerisch-österreichische Doppelbürger auf einem Tonband auf, damit er zu Hause nochmals alles in Ruhe durchgehen kann. Wenn Wiener mal nicht mit dem Geigenspiel beschäftigt ist, lernt er für die Schule – das Kunst- und Sportgymnasium in Zürich –, liest ein Buch oder spielt leidenschaftlich gerne Fussball. Als weitere Hobbys bezeichnet er das Komponieren und Klavierspielen, das Musikhören oder die Analyse von Fussballspielen am Fernseher. Wenn es nach Wieners Vorstellungen geht, wird er bald einmal alleine auf der Bühne stehen: «Natürlich tut man alles dafür, um Solist zu werden, doch die Wahrscheinlichkeit ist winzig klein», ist sich der Kantischüler seiner Aussichten bewusst. Die dazu nötigen technischen und musikalischen Voraussetzungen bringt er allerdings mit sich. Klappt es nicht, würde er gerne berufsmässig in einem Streichquartett spielen – oder in einem Orchester. Eines ist aber klar: Wenn nichts Ausserordentliches passiert, wird Wiener Musiker. Und falls es mit der Geige trotzdem aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollte, könnte er sich auch etwas ganz anderes vorstellen, ein Mathematik- oder Philosophiestudium zum Beispiel. Eine Probe muss genügen Für das Konzert mit dem Neuen Zürcher Orchester in Uster wurde Wiener von der Kulturgemeinschaft Uster (KGU) als Solist angefragt. Seit gut einem Monat übt der Jungstudent intensiv am E-Dur-Violinkonzert von J. S. Bach und an der Romanze für Violine und Orchester von Johan Svendsen, die er selber für den Auftritt ausgewählt hat. «Bach ist technisch nicht schwierig zu spielen und tönt einfach. Deshalb ist es umso kniffliger, dass das Konzert wirklich gut klingt, auch wegen der heiklen Intonation», und bei der Romanze gehe es darum, verschiedene Klangfarben zu zeigen, erklärt der Solist die Schwierigkeiten der Stücke. Eine Probe mit dem Neuen Zürcher Orchester muss im gedrängten Terminkalender genügen. Dann macht sich der ehrgeizige Wiener auf, um wieder an seinen Stücken zu üben. Nur so wird es vielleicht einmal möglich werden, dass er zusammen mit seinen Idolen, den Wiener Philharmonikern oder Itzhak Perlman spielen kann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch