Zum Hauptinhalt springen

Von Michael von Ledebur

Die Firma Rose fordert die Verpflegungsriesen Selecta und Dallmayr heraus. Zwei Jahre nach der Gründung schreibt der Bubiker Betrieb bereits schwarze Zahlen.

Von Michael von Ledebur Bubikon – Das Kaffeeräumchen ist das geheime Hauptquartier eines Unternehmens – der Ort, wo man Allianzen schmiedet, über Chefs schnödet und bisweilen die besseren Ideen entwickelt als im Konferenzzimmer. Bei der Firma Rose gilt der Raum ganz offiziell als Herzstück der Firma. Hier empfängt Geschäftsführer Beat Rose Kunden und offeriert, was die vier Automaten hergeben: Pilzcremesuppe, Milchschokolade oder Kaffee. Die Firma Rose veräussert Kaffeemaschinen, Kaffee-, Getränke- und Snackautomaten und deren Inhalt.Vor zwei Jahren ist Beat Rose in das Geschäft mit der Betriebsverpflegung eingestiegen. Nun erwirtschaftet Bubiker die Firma einen Jahresumsatz von 5 Millionen Franken und beschäftigt 20 Personen, die meisten von ihnen in der Automatenwartung. Und obwohl es sich um ein kapitalintensives Geschäft handelt – gut 10 000 Franken kostet ein Automat –, schreibt Rose bereits schwarze Zahlen. Verkauf mit Leistungsabbau Beat Rose ist im Verpflegungsgeschäft gross geworden. Sein Vater Ernst war massgeblich am Aufbau der Volketswiler Firma AGB beteiligt, ohne deren Besitzer zu sein. Beat Rose stieg 1984 in den Betrieb ein und brachte es zum Marketing- und Verkaufsleiter Deutschschweiz. Im Jahr 2007 jedoch wurde die Firma vom Eigentümer an die deutsche Dallmayr-Gruppe verkauft. Ein Wendepunkt für Beat Rose. «Bei den Dienstleistungen gab es einen drastischen Leistungsabbau.» Danach habe er sich mit dem Produkt nicht mehr identifizieren können. Als dann auch noch Geschäftsführer Herbert Bless Knall auf Fall entlassen wurde, beschloss Rose schliesslich zu gehen. Ein Jahr lang durfte Beat Rose nicht in seinem angestammten Beruf arbeiten. Dallmayr hatte ihm ein Konkurrenzverbot auferlegt. Rose nutzte die Zeit und verfasste einen Businessplan. Ein Jobangebot des Dallmayr-Konkurrenten Selecta schlug er aus. Gemeinsam mit seinem Bruder Jürg Rose und dem einstigen AGB-Chef Herbert Bless gründete er im Februar 2009 sein eigenes Unternehmen. Mit an Bord waren eine Automatenkontrolleurin sowie ein Techniker – auch sie ehemalige AGB-Mitarbeiter.Wer Beat Rose zuhört, ist nicht überrascht über seinen Erfolg. Er ist ein Insider, der das Business genau kennt, über beste Kontakte verfügt und um die Schwachstellen der Konkurrenz weiss. Auch wenn er von der Qualität seines Kaffees schwärmt, betont er, dass er sich nicht über das Produkt, sondern nur über die Servicequalität von der Konkurrenz abheben könne. Je häufiger die Wartung, desto besser der Kaffee – auf diese Formel kann man Roses Strategie münzen. «Unsere Mitarbeiter kontrollieren jeden Automaten täglich», sagt Rose, «und nicht wie andere nur einmal pro Woche.» Die Kontrolle umfasst nicht nur die Reinigung: Roses Leute müssen jedes Getränk wöchentlich degustieren und in einem Protokoll Geschmack, Temperatur, Farbe und Schaumbild festhalten. Strenges Hygiene-Regiment Bezüglich Hygiene herrscht ein strenges Regiment. Rose hat dazu ein Konzept erarbeitet. Unreine Haare oder Dreck unter den Fingernägeln werden nicht toleriert. Darüber hinaus lasse er den Mitarbeitern grosse Freiheiten und messe sie einzig an der Erfüllung des Auftrags. «Motivierte Mitarbeitende sind doch das Kapital einer Firma», sagt er. Rose beschäftigt ausschliesslich Leute mit jahrelanger Erfahrung in der Branche. Trotz des aufwendigeren Services sei er beim Preis konkurrenzfähig, ist Rose überzeugt. Fünf bis zehn Rappen liege sein Kaffeebecherpreis über jenem der Konkurrenz. In den meisten Fällen bezahlen die Unternehmen ohnehin nichts für die Betriebsverpflegungsautomaten. Rose verdient an der Konsumation der Mitarbeitenden. Rigorose Auswahl Neben der Serviceleistung ruht Roses Geschäftsmodell auf einem zweiten Pfeiler: der rigorosen Selektion der belieferten Unternehmen. «Es muss schon etwas Fleisch am Knochen sein», wie sich Rose ausdrückt. Infrage kommen Betriebe ab 20 Mitarbeitern. Das Konkurrenzangebot im Umfeld jeder Firma wird genau analysiert. Ein beliebter lokaler Beck oder ein täglicher Kurierdienst können zur Ablehnung führen. In den Verträgen mit dem Kunden werden Mindestkonsummengen festgehalten – werden sie nicht erreicht, kann sich Rose zurückziehen. «In diesem Geschäft muss man Nein sagen können», sagt Rose – was er wöchentlich tut. Inzwischen hat Rose 500 Automaten «auf der Piste», wie er sagt. Damit hat sich das Unternehmen im Markt, der von Marktführer Selecta und Dallmayr dominiert wird, einen Nischenplatz erkämpft. Das Potenzial sei längst nicht ausgeschöpft. Für das kommende Jahr plant Rose einen zweiten Standort im Raum Bern-Basel. Sein Fernziel ist, die Nummer 1 im Kanton Zürich zu werden. Auf Bahnhöfen wird man Rose-Automaten deshalb nie sehen. «Das würde das Produkt in die Nähe des billigen Automatenfoods rücken.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch