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Von Patrik Berger und Marius Huber

Von Patrik Berger und Marius Huber Herrliberg/Uetikon – Das Gewerbe an der Goldküste hat es schwer. Nicht, dass es an lukrativen Aufträgen mangeln würde. Im Gegenteil, all die Wünsche der wohlhabenden Kunden vermögen die heimischen Gewerbler gar nicht zu bewältigen. So fahren Morgen für Morgen Dutzende Handwerker aus der weiteren Umgebung und teilweise gar aus Deutschland an die Goldküste, um hier ihrer Arbeit nachzugehen. Diese externen Handwerker profitieren doppelt: Sie kassieren gutes Geld und profitieren von günstigen Mieten auf dem Land. Die ansässigen Handwerker sind die Geprellten. Wer mit seinem Betrieb am See beheimatet ist, der stöhnt über hohe Mietzinsen im überhitzten Immobilienumfeld. Noch schlimmer trifft es diejenigen Gewerbler, die ihre Räume verlassen müssen, weil die Besitzer die Liegenschaft zu teurem Wohnraum umfunktionieren. Die Folge: Immer mehr Gewerberaum verschwindet für immer. Und die Gewerbler vom See strecken ihre Fühler ins Oberland aus, wo die Situation weniger angespannt ist als im Bezirk Meilen. Den Ernst der Lage erkannt Dass die Lage ernst ist, haben nicht nur Lokalpolitiker erkannt, sondern auch die regionalen Raumplaner der Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil (ZPP). Diese setzen nun zum grossen Wurf an, der keine Rücksicht auf Gemeindegrenzen nimmt. Im Rahmen der Arbeit am kantonalen Richtplan hat die Gemeinde Egg die Idee eines regionalen Gewerbegebiets aufgebracht. «Wir haben diese Anregung gerne aufgenommen», sagt ZPP-Präsident Max Baur (FDP), der auch Gemeindepräsident von Hombrechtikon ist. «Es ist vernünftig, wenn die Gemeinden des Bezirks Meilen dieses Problem gemeinsam angehen.» Diese Einsicht müsse bei den Gemeinden allerdings erst noch wachsen. Viele hätten erst in den letzten paar Jahren erkannt, dass ihnen das Gewerbeland ausgehe. Entsprechend waren nicht alle Gemeinden der Goldküste sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Die treibenden Kräfte dahinter sind Herrliberg und Uetikon, die ihren Gewerblern schon heute praktisch keinen Platz mehr anbieten können. «Die anderen Gemeinden bremsen nicht, sie reagieren aber eher abwartend», sagt Baur. Die Unsicherheit sei verständlicherweise gross. Nicht zuletzt, weil man mit einer gemeinsamen regionalen Gewerbezone Neuland betrete. Einzig im Weinland gibt es ein vergleichbares Projekt, das aber noch nicht realisiert ist. Einzelne Gemeinden haben laut Baur auch Angst, mittelfristig gute Steuerzahler zu verlieren, wenn die Gewerbler nicht nur eine Lagerhalle im neuen Gewerbegebiet beziehen, sondern später auch den Firmensitz dorthin verlegen. Bei den Vertretern der lokalen Gewerbevereine kommt die Idee gut an. Freiwillig ins Exil hinter dem Pfannenstiel gehen will zwar keiner, aber angesichts des «Verdrängungskampfes», der an der Goldküste tobe, müsse man realistisch bleiben. «Für manche Betriebe wird es langfristig besser sein, in Egg einen Platz zu haben als gar nirgends», sagt Ernst Freitag, Präsident des Herrliberger Gewerbevereins. Und sein Küsnachter Kollege Martin Schneider pflichtet ihm bei: «Man muss solche Gelegenheiten nutzen, wenn man sie hat.» Zumal es sicher keine schlechte Lösung sei. «Sehr interessiert» daran ist der Erlenbacher Walter Kehl, der die Situation in seiner Gemeinde als dramatisch bezeichnet: «Ich habe diverse Freunde, die um ihren Standort bangen müssen.» Standort ist nicht definitiv Max Baur versteht aber auch die Bedenken einzelner Gemeinden. «Ein regionales Gewerbegebiet ist schliesslich ein einschneidendes Planungsinstrument.» Es sei aber noch nichts in Stein gemeisselt. «Wir stehen mitten in der Abklärungsphase. Auch der Standort Egg ist nicht definitiv», sagt er. Er könne es sich gut vorstellen, dass man dereinst auch zwei oder drei Gewerbegebiete realisiere. Die Frage, ob der Standort in Egg für das Projekt geeignet sei, werde entscheidend sein, das bestätigt auch René Loner, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion. Grundsätzlich sei die Idee aber sehr gut. Um die Zersiedelung der Landschaft zu stoppen, müsse man auch bei Gewerbezonen regional denken, wie man das etwa bei der Abfallentsorgung und im Schulwesen längst mache. «Nicht jede Gemeinde muss alles selber haben. Ein grosses Gewerbegebiet hat Vorteile gegenüber vielen kleinen.»

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