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Von Peter Bühler, Rom

Von Peter Bühler, Rom Er fällt auf. Am Morgen vor dem Trip des FC Zürich beim Check-in im Flughafen Kloten. Nach der Landung am Gepäckband beim Warten auf die Koffer im Aeroporto Fiumicino in Rom. Am Abend beim Abschlusstraining im Stadio Olimpico. Gestählter Körper, dunkler Teint, dunkle Augen, volle Lippen &endash und das Markenzeichen: das zum Knoten gebundene schwarze Haar. Mit seinem steten Lächeln im Gesicht sagt Ricardo Rodriguez nach dem Training: «Ich bin bereit; ich freue mich auf Lazio.» Sie können kommen, die Römer. Das ist die Devise von Rodriguez (19) vor der vierten Partie des FCZ in der Europa League. Er ist der jüngste Stammspieler im Zürcher Kader, und seit Wochen eine der spärlichen Konstanten im Klub. Sportchef Fredy Bickel bemerkt: «Er hat sein Niveau immer halten können.» Was sind denn die Gründe für die starken Leistungen des Individualisten Rodriguez in einer verunsicherten Zürcher Mannschaft? Der Verteidiger erklärt mit einem breiten Lachen: «Mein Rezept? Nichts denken, einfach nur spielen!» Nur weg von der Schule Er bekennt gleich selbst: Der grosse Philosoph oder Intellektuelle im Team sei er nicht. In der Schule hat es ihm nie gefallen; die Noten waren mässig. Im Schulhaus Auzelg in Schwamendingen war für ihn meist nur die Pause wichtig: «Dann stürmten wir auf den Schulhausplatz, ruinierten beim Tschutten auf dem Beton die Schuhe und schürften die Knie auf.» Mit 16 Jahren beendete er die schulische Ausbildung, «mehr schlecht als recht». Er wurde Fussball-Profi beim FCZ. «Ich setzte voll auf die Karte Risiko.» Die Eltern und die beiden Brüder unterstützen seinen Entscheid. Der Vater, ein in der Jugend aus Galizien in die Schweiz gekommener Spanier, wäre selber gerne ein grosser Fussballer geworden, doch es reichte nur bis in die 3. Liga. Heute arbeitet er als Lagerist. Die Mutter ist Chilenin, sie betreut in einem Hort tagsüber Kinder in deren Freizeit. «Sie sind meine grössten Fans», sagt Rodriguez über seine Eltern.Bei jedem Heimspiel sitzt die ganze Familie Rodriguez im Letzigrund; die grössten Erfolge des mittleren Sohnes indes erlebten sie vor dem TV mit &endash den Weltmeistertitel mit der Schweizer U-17 vor zwei Jahren in Nigeria, das Länderspieldebüt mit dem Schweizer A-Team kürzlich in Wales oder mit dem FCZ das Duell mit Arjen Robben im Champions-League-Playoff gegen Bayern München im August. «Das war mein bestes Spiel», findet Rodriguez. Er hielt den Holländer weitgehend unter Kontrolle. Die Begegnung in der Münchner Allianz Arena machte ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bickel sagt: «Er ist unser interessantester Spieler für den internationalen Markt.» Der Sportchef hält ihn schon jetzt für den besten linken Verteidiger der Schweiz mit einem Marktwert von über 5 Millionen Franken. Das Ablaufdatum beim FCZ Wohlweislich hat Bickel den Vertrag mit seinem wohl wertvollsten Spieler frühzeitig bis 2015 verlängert. Er weiss: «Rodriguez hat beim FCZ ein Ablaufdatum, das in nicht allzu weiter Ferne liegt.» Mit dem Spieler hat er sich darauf verständigt, dass ein Wechsel frühestens im kommenden Sommer ein Thema werden könne. Auch Rodriguez erklärt, gewarnt durch viele Schicksale von jungen Schweizern, die im Ausland auf der Ersatzbank versauern: «In den nächsten Monaten bleibe ich sicher in Zürich.» Hier habe er alles, was er sich für den Moment wünsche: einen guten Klub, ein schönes Familienleben mit den Eltern und dem kleineren Bruder in einem Wohnblock in Oerlikon sowie alle seine Freunde, darunter die Mitspieler Admir Mehmedi und Adrian Nikci. Chancen auf der Europabühne Dennoch: Dem heutigen Abend im Römer Olimpico misst er grosse Bedeutung bei &endash für seinen Klub und für sich. Der FCZ will mit einem guten Ergebnis die Chance auf die Achtelfinals wahren. Und jeder einzelne Spieler könne sich auf der europäischen Bühne präsentieren und profilieren &endash gegen grosse Namen wie Djibril Cissé oder Miroslav Klose, die aber zwecks Schonung vielleicht nicht in der Startaufstellung stehen. In diesem Fall gäbe Tommaso Rocchi, Lazios Mann der Stunde, wohl die alleinige Sturmspitze. Er erzielte am Sonntag beim 3:0 in Cagliari seinen 100. Treffer für die Römer. Wer auch immer für Lazio stürmen wird: Mulmige Gefühle löst bei Rodriguez keiner dieser Namen aus. Er will nur eines: «positiv auffallen, überzeugen, mit einer starken Leistung». Mit der Unerschrockenheit des 19-Jährigen sagt er: «Ob Klose, Cissé oder Rocchi ist egal &endash sie alle haben nur zwei Füsse.»

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