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Von Pia Wertheimer

Der Hittnauer Campingplatzbetreiber blockierte einen Wohnwagen, um zu seinem Geld zu kommen. Das Pfäffiker Bezirksgericht verurteilte ihn. Das will er nicht auf sich sitzen lassen.

Von Pia Wertheimer Hittnau/Zürich – «Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht für unsere Arbeit. Mein Gerechtigkeitssinn macht da nicht mit.» Dies war am Dienstag das Schlusswort des Hittnauer Campingplatzbetreibers vor den Zürcher Oberrichtern. Er wehrte sich gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom vergangenen Mai, das ihn der versuchten Nötigung schuldig gesprochen hatte. Dem Prozess ging ein Disput mit einem Wohnwagenbesitzer voraus, der vor dem Obergericht durch Abwesenheit glänzte. Sein Wohnwagen stand mehrere Jahre auf dem Campingplatz in Hittnau, bevor er sich entschloss, die Zelte in der Schweiz abzubrechen und nach Thailand auszuwandern. «Er hatte mir das nie persönlich mitgeteilt», machte der Angeklagte geltend. Vom entsprechenden Gerücht, welches auf dem Campingplatz kursierte, hatte er aber gehört. Was er da hörte, beunruhigte ihn. Der Campingplatzbetreiber beschloss, das Heft in die eigene Hand zu nehmen. Er wurde aktiv und händigte dem Wohnwagenbesitzer darum im Sommer 2008 eine Schlussabrechnung aus. «Der lachte mich nur aus», ärgerte er sich vor Gericht. Auf der Abrechnung waren nicht nur die monatlichen Standgebühren aufgeführt, sondern zusätzliche Leistungen wie das Beschaffen eines Wohnwagenschlosses. Den Stromzähler, der sich im Wohnwagen befand, habe er nicht einmal ablesen können. Das habe der Gast verhindert, wetterte der Campingplatzbetreiber. Unbezahlte Rechnungen Eines Tages sei dann ein Freund des Klägers in Hittnau aufgetaucht. Sein Auftrag war es, den Wohnwagen abzuholen und damit in den Thurgau zu fahren. «Ich erklärte ihm, dass noch Rechnungen offen seien. Daraufhin fuhr er wieder weg», erinnerte sich der Angeklagte. Er beschloss, nicht untätig zuzusehen und auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben. Er schritt zur Tat und blockierte die Räder des Gefährts mit einer Kette und brachte bei der Anhängerkupplung eine Diebstahlsicherung an. Damit habe er erreichen wollen, dass sich der Wohnwagenbesitzer ordentlich abmelde und die noch ausstehenden Beträge bezahle. «Wir verlangen ja nicht einmal immer den ganzen Betrag. Aber er wollte ja nicht einmal darüber reden.» Der Campingplatzbetreiber machte geltend, dass er nicht wie an anderen Orten üblich eine Schranke bei der Zufahrt zum Platz anbringen könne, weil die Strasse nicht ihm, sondern der Gemeinde gehöre. Sein Anwalt sprach von einer «individuellen Schranke», die sein Mandant angebracht habe. Sie hätte die einzige Möglichkeit dargestellt, um mit dem Gast wieder in Kontakt zu treten. Polizei eingeschaltet Mitte September 2008 fand sich der Wohnwagenbesitzer persönlich in Hittnau ein. Es gelang ihm zwar, die Kette zu entfernen, die Diebstahlsicherung hinderte ihn aber daran, sein Gefährt mitzunehmen. Er rief die Polizei. Sie erschien umgehend auf dem Platz und zeigte in der Folge den Campingplatzbetreiber an wegen Nötigung. Kläger war somit nicht nur der Wohnwagenbesitzer, sondern auch die Staatsanwaltschaft. Sie machte vor der ersten Instanz in Pfäffikon geltend, der Wohnwagenbesitzer habe sein Gefährt gegen seinen Willen auf dem Campingplatz stehen lassen müssen. Damit sei der Tatbestand der Nötigung erfüllt. Die Pfäffiker Richter folgten dem Antrag der Staatsanwaltschaft und des Klägers nicht ganz und verurteilten den Hittnauer bloss wegen versuchter Nötigung. Eine Nötigung sei vom Erfolg der Tat – in diesem Fall also von der ordentlichen Abmeldung und der Bezahlung der Schlussrechnung – abhängig, argumentierten die Richter des Bezirksgerichts. Dies sei bis zum Prozess nicht geschehen, deshalb handle es sich lediglich um eine versuchte Nötigung. Es bestrafte den Hittnauer mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 180 Franken. Keine Nötigung Der Campingplatzbetreiber war damit aber nicht einverstanden und plädierte auf Freispruch. Sein Anwalt argumentierte, dass der Gast gar nicht genötigt worden sei. Seine Bewegungsfreiheit sei nie eingeschränkt worden. Er habe sich jederzeit frei bewegen können. Er hätte sogar im Wohnmobil wohnen und übernachten können, wäre dieses nicht als Lager benutzt worden. Das Zürcher Obergericht wollte nicht sofort über die Geschehnisse urteilen. «Es handelt sich um diffizile Rechtsfragen», sagte der vorsitzende Richter. Das Urteil werde den Parteien schriftlich zugestellt.

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