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Von Sarah Sidler

Von Sarah Sidler Kloten – Schon von Weitem ist das klägliche Miauen auf dem Ladeplatz der Fracht West zu hören. Die tierischen Laute fallen auf. Sie passen so gar nicht zum hektischen Treiben auf dem Flughafengelände. Kisten werden von Trolleys auf Lieferwagen umgeladen, Papiere begutachtet, Kollegen begrüsst und Waren gesucht. Es riecht nach frischem Fisch, der von Übersee geliefert wurde. Zielgerichtet steuert Marianne Imhof in Richtung der Katzen und nimmt den Trolley mit den Transportboxen vom Mitarbeiter der Fracht entgegen. Ein kurzer Blick auf die Papiere, und die Tiere gehen in ihre Hände über. Henry, Charlie und Milo – so heissen die Katzen – wurden am Vortag von einem Agenten von ACE Pet Moving in New York auf den Flughafen gebracht. Die Tiere folgen ihren Besitzern in ihre neue Heimatstadt Zürich. James arbeitet für eine Grossbank, seine Frau Molly begleitet ihn. Doch Imhof holt die Tiere nicht nur vom Flughafen ab: Sie hat das Paar vor der Reise über die Einfuhrbestimmungen in der Schweiz, notwendige Impfungen, Bluttests und Dokumente informiert. Weiter organisierte sie den Flug in einem beheizten Frachtraum eines Passagierflugzeugs und kümmerte sich um den Papierkram vor Ort. Auch der Gang zur grenztierärztlichen Kontrolle gehört zum Service. Es sind keine einfachen Unterfangen: «Der Platz im beheizten Frachtraum ist knapp. Zudem verfügt jedes Land über andere Richtlinien, die ständig ändern», weiss Imhof. So transportiert die Swiss kurznasige Hunde wie den Boxer nur in Transportkisten, die eine Nummer grösser sind, als sie für sonstige Hunde dieser Grösse vorgegeben ist. Damit wird die Sauerstoffzufuhr gewährleistet. Jede Airline verfügt über solche Ausnahmebestimmungen, die der Tierbesitzer erst einmal ausfindig machen muss, wenn er die Reise seines Tieres selbst organisiert. Überschwängliche Begrüssung James und Mollys Umzug übernimmt eine Transportfirma auf Kosten des Arbeitgebers. Diese verschwendet keine Zeit mit dem aufwendigen Transport der drei Katzen und hat ACE Pet Moving damit beauftragt. Kein Einzelfall: «Wir arbeiten häufig mit Transportfirmen zusammen», sagt Imhof, nimmt die Katzenboxen und hievt sie in den geräumigen Van. Die Tierbesitzer sind über die baldige Ankunft ihrer Tiere informiert. Vor Ort bitten sie Imhof in ihre Wohnung und lassen die Katzen sogleich aus der Box. Die Begrüssung ist überschwänglich. «Solche Szenen sind der Lohn für meine teilweise mühsame Arbeit mit den Behörden», sagt Imhof und streicht Milo ein letztes Mal über seinen grauen Kopf. Bevor sie geht, verspricht sie James, einen Englisch sprechenden Tierarzt in der Nähe ausfindig zu machen und ihn darüber zu informieren. In derselben Zeit hat Imhofs Geschäftspartner, Marcel Brozius, die Golden-Retriever-Dame Chopper bei ihren Besitzern in Zürich abgeholt. Kurz vor ihrem Abflug führt er die Hündin einmal um das Parkhaus, damit sie sich ein letztes Mal versäubern kann vor ihrer Reise nach Chicago. Die Hündin begleitet Brozius, als würde sie ihn schon ewig kennen. Dann wird das Tier beim Zoll abgemeldet, wieder in seine Transportbox verfrachtet und per Anhänger zum Fracht-Check-in gezogen. Auf der Transportbox kleben eine Zeichnung der Kinder der Besitzerfamilie, Hundeguetsli, eine Leine sowie die Papiere. Das Ent- und Beladen des Flugzeugs sind die stressigsten Momente der Reise. Während des Flugs schlafen die Tiere meist, wie Studien gezeigt haben. «Bislang sind noch alle von uns beförderten Tiere wohlbehalten am Ziel angekommen», sagt Imhof. Im Juni verschickte das junge Unterländer Unternehmen 57 Sendungen. Derzeit ist Hochsaison, die Tendenz steigend. Die Mehrheit der Kunden stammt aus den USA. «Wir transportieren grossmehrheitlich Tiere von Menschen, die umziehen oder auswandern», sagt Imhof. Das sind meist Kleintiere wie Hunde oder Katzen. ACE Pet Moving beförderte aber auch schon Schlangen, Fische, Seehunde und sogar Löwen. Transporte in die Ferien lehnen Brozius und Imhof zum Wohl des Tieres ab. Das dürfte auch eine Kostenfrage sein: Organisation und Durchführung eines Transports eines mittelgrossen Hundes nach Australien kostet den Besitzer bis zu 4000 Franken. In Ausnahmefällen begleiten Imhof oder Brozius ein Tier auf seiner Reise. Etwa dann, wenn sich die Ein- oder Ausfuhr besonders kompliziert gestaltet. Imhof musste schon einen Papagei in der Türkei abholen. Weil die Behörden die englischen Dokumente nicht akzeptierten, musste Brozius sie auf Türkisch übersetzen lassen. Dieser Papagei wird nächstens von Genf weiter nach Paris transportiert. Auch unter den Tieren gibt es Vielflieger, Meilen sammeln sie aber noch nicht.

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