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Vorspiel mit Adrenalin

Bei Pferderennen herrscht am Start nicht einfach konzentrierte Ruhe. Hektik muss gebannt und Kraft gezügelt werden.

Ortstermin Die Startboxen bei den Pferderennen in Fehraltorf Von Markus Monstein, Fehraltorf Wenn 400 bis 500 Kilo Pferd vor einem Flachrennen in Startposition gebracht werden sollen, sind fachkundige Hände und Köpfe gefragt. Es herrscht intensives Treiben hinter den Startboxen auf der zur Pferderennbahn umgebauten Barmatt in Fehraltorf. Ein eingespieltes Team von einem halben Dutzend Helfern nimmt rund zehn Minuten vor dem Start zum ersten Rennen die Pferde mit ihren Reitern unmittelbar hinter den Startboxen in Empfang. «Sechs, Eins und dann die Drei», ruft der offizielle Starter Josef Lingg bestimmt. Dies ist nicht etwa sein Wunschresultat, auf das er gewettet hat. Vielmehr sind es die Nummern der Pferde, die zuerst in ihre Startboxen einrücken sollen. Wer ganz innen starten darf, ist ausgelost worden. Gerade in kurzen Rennen ist der Start enorm wichtig. Auf kleineren Bahnen, wie Fehraltorf eine ist, kommt dem Start jedoch auch über längere Distanzen grössere Bedeutung zu.Doch zuerst müssen die Pferde an ihren jeweiligen Startplatz gebracht werden. Für Carolin Sytsma, die Reiterin von Goldking, ist es das erste Rennen ihrer Karriere. Bevor es losgeht, erlebt die 22-jährige Jura-Studentin einen Schreckmoment. Als Trainerin Chantal Zollet an der Ausrüstung des vierjährigen Wallachs noch etwas ändern will, steigt dieser plötzlich auf die Hinterbeine – die Führerin muss die Leine loslassen, und Carolin Sytsma ist im Sattel auf sich allein gestellt. Die Bernerin kann sich nicht auf dem Rücken des Tieres halten, schafft es aber, beim Hinunterfallen auf den Füssen zu landen und erst noch die Zügel in den Händen zu behalten. So kann sie Ungemach vermeiden. «Das war nur ein Reflex», sagt sie, «ich war so konzentriert, dass ich gar keine Zeit hatte, nervös zu werden.» Vorsicht vor den Hufen Dass es auch für die Helfer hinter der Startmaschine gefährlich werden kann, ist schon an der Ausrüstung erkennbar, die sie tragen. Marcel Bucher, einer von ihnen, trägt neben dem obligatorischen Helm auch Beinschoner, welche bis über die Knie reichen. Trotzdem hat er schon einige Male unliebsame Bekanntschaft mit Pferdehufen gemacht. «In Dielsdorf hat mich ein Pferd am Kopf erwischt, seitlich unter dem Helm», sagt er und lacht; das gehöre halt dazu. Ein anderes Pferd traf ihn beinahe dort, wo es einem Mann am meisten wehtut. Zum Glück nur beinahe. Tiefschutz tragen die Helfer nicht. Erfahrung ist gefragt Ganz ohne Nervosität geht es dann doch nicht für Carolin Sytsma vor dem ersten Rennen einer vielleicht hoffnungsvollen Karriere. Je näher der Start kommt, je mehr Pferde in die Startboxen eingerückt sind, desto mehr Gedanken schwirren den Reitern durch den Kopf. Vor allem bei jungen, wie vor diesem ersten Rennen in Fehraltorf, einem sogenannten Junioren-Cup für den Nachwuchs. «Als ich mit Goldking in der Startbox war, hatte ich fast keine Zeit mehr bis zum Start. Und genau das machte mich dann nervös», erklärt Carolin Sytsma später. Sie hört das Kommando des Starters – dann schnellen die Türen der Boxen auf. Die Pferde beschleunigen innert weniger Meter auf eine Geschwindigkeit bis zu 60?km/h. Goldking, das Pferd von Sytsma, ist kein Routinier, erst zum zweiten Mal macht er das Prozedere mit der Startbox mit. Und prompt kommen die beiden nicht so gut weg wie erhofft. Statt ganz vorne, wie von der Trainerin als Marschroute vorgegeben, findet sich Sytsma im Mittelfeld wieder. Sie schafft es jedoch schon vor dem ersten Bogen, zwischen den Gegnern hindurch die Spitze zu übernehmen. Ganz im Gegensatz zu Rue Scribe, der Trainingsgefährtin von Goldking, die kurz nach dem Start einfach stehen bleibt. Der verpasste Sieg Sytsma und Goldking kommen als Erste auf die Zielgerade. Der erste Sieg gleich im ersten Rennen? Sie kämpft, hat nach rund zweieinhalb energiezehrenden Minuten nicht mehr so viel Kraft in den Beinen. Auch Goldking ist nach der langen Führungsarbeit müde. Zwei Gegner ziehen vorbei, doch Rang 3 ist den beiden sicher. Müde ist Carolin Sytsma, aber zufrieden. Wie auch die Fehraltorfer Veranstalter: 7000 Zuschauer sorgten für einen Wettumsatz von 56?000 Franken. Noch mehr sollen es in einer Woche am traditionellen Ostermontag-Renntag werden. Tore auf und los, schon bald mit 60 km/h – ausser wenn das Pferd nicht will: Start in Fehraltorf. Foto: Beat Marti

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