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Warum Kilometerangaben auf Ortstafeln zuweilen lügen

Wer sich auf die Schilder am Strassenrand verlässt, erlebt Überraschungen. Das hat historische Gründe.

Von Monica Mutti Stäfa – Wer von Hombrechtikon über den Frohberg nach Stäfa fährt, der staunt nicht schlecht. Bei der Dorfausfahrt von Hombrechtikon ist die Strecke nach Stäfa laut dem Verkehrsschild exakt 4 Kilometer lang. Komisch nur, dass man sich 800 Meter später bereits auf Stäfner Gemeindegebiet befindet. Das wirft Fragen auf. Wo werden in einer Ortschaft die Kilometerangaben für die Beschilderung gemessen? Bei der Kirche, wie zu Zeiten, als noch Fuhrwerke das Strassenbild prägten? Oder bei der Post, wie dies ab 1850 für Hauptstrassen definiert wurde? Oder vielleicht doch bei den Bahnhöfen, wo auch die Höhe einer Ortschaft gemessen wird? Napoleon hats erfunden Nichts von alledem trifft zu. Nein, es ist viel banaler, wie Martin Sorg, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, erklärt. Die Verkehrstechnische Abteilung der Kapo ist zusammen mit dem kantonalen Tiefbauamt für die Strassenbeschilderung zuständig. «Für alles, was rollt, wird jeweils von Gemeindegrenze bis Gemeindegrenze gemessen. Die Kilometerangaben beziehen sich dann auf die Strassenstrecke, auf der man sich gerade befindet», erklärt er. Das gilt auf kommunalen, aber auch kantonalen und nationalen Strassen. Das Tiefbauamt ist zuständig für die Messung, die Polizei klärt die Platzierung der entsprechenden Schilder ab. Dabei achtet sie auf Distanzen vor Kreuzungen oder zu Privatgrundstücken sowie die Sicherheit und Lesbarkeit für die Verkehrsteilnehmer. Ganz andere Bedürfnisse standen früher im Vordergrund, erklärt Hans-Ulrich Schiedt von Via Storia, dem Zentrum für Verkehrsgeschichte. Wer zu Fuss oder mit dem Pferd unterwegs war, musste wissen, ob er Proviant für einen oder zwei Tage brauchte und ob er das Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichte. «Reiseführer waren deshalb mit Stundenangaben versehen. Heute weiss man, dass eine Stunde damals einer Marschstrecke von 4,8 Kilometern entsprach», sagt Schiedt. Eine Distanzangabe wäre für Reisende damals nutzlos gewesen, solche gab es nämlich in babylonischer Vielfalt. Von Stadt zu Stadt galten wieder andere Masse. Erst nach der Französischen Revolution – ganz im Sinne des revolutionären Gleichheitsversprechens – machten sich zwei französische Astronomen auf eine siebenjährige Wanderschaft, um der Menschheit ein einheitliches Längenmass zu bescheren. Das Resultat ihrer Berechnungen war der Meter als Grundeinheit für alle, in Platin gegossen und unter Napoleon eingeführt. Dieser begrüsste den Meter mit folgenden Worten: «Siege kommen und gehen, doch dieses Werk bleibt.» Aha. Stäfa, 4 Kilometer . . . Stäfa beginnt schon in 800 Metern, nicht erst in 4 Kilometern, wie das Schild glauben macht. Foto: Daniel Kellenberger

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