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Wegen Gummipuppe verurteilt

Er hat eine Sex-Gummipuppe an seiner Hausmauer aufgehängt, um

Er hat unbestritten eine ganz eigene Auffassung von Humor: Ein 57-jähriger IV-Rentner aus Derendingen betreibt, laut der Familie, die neben ihm wohnt, Psychoterror der speziellen Art.Ein paar Beispiele gefällig? Mit einem «Gummigüggel» «figuretle» und krähe er zum Fenster raus, wenn die Familie Besuch habe; er höre Musik in krasser Lautstärke; bei offenem Fenster ziehe er Pornofilme rein und lasse auf hohem Lautstärkeniveau die Familie am lustvollen Treiben akustisch teilhaben. Für den definitiven Ablöscher habe er jedoch gesorgt, als er eine Sexgummipuppe an seine Fassade gehängt und rübergebrüllt habe. Etwas später habe er zudem den Sohn der Familie, einen Polizisten, mit «Bullenschwein» und «Bullenschwanz» betitelt.Und immer habe er dazu gelacht, der Mann, der vom «Blick» 2006 als «verrücktester Nachbar der Schweiz» betitelt wurde. «Das stimmt alles», sagte der Sohn der Familie gestern beim Gang zum Obergericht in Solothurn. Der Nachbar hatte gegen ein erstinstanzliches Urteil des Amtsgerichts Bucheggberg/Wasseramt von 2008 Rekurs eingelegt. Das Gericht hatte ihn wegen Beschimpfungen, Trunkenheit und Beleidigung zu sieben Tagessätzen à 50 Franken, einer Busse von 100 und den Verfahrenskosten von rund 1400 Franken verurteilt.(Fast) alles gar nicht wahr?«Das mit der Gummipuppe stimmt, sonst ist alles erfunden», sagte der Mann gestern vor dem Gerichtssaal zu dieser Zeitung. «Die beschimpfen mich seit mehr als 30 Jahren.» Eine andere Nachbarin, die sich auf dem Gang des Gerichts aufhielt, bestätigte denn auch, dass sie Beschimpfungen von Angehörigen der Familie «mit eigenen Ohren gehört habe». Über den renitenten Nachbarn sagte sie: «Man muss ihn nur zu nehmen wissen, er ist ein ganz lieber Kerl.»Das versuchte er auch der Strafkammer zu vermitteln. «Ich habe nicht die Bohne was gegen die». Oberrichter Daniel Kiefer hakte nach, fragte, was es denn mit der überlauten Musik auf sich habe. Dazu der Nachbar: «Ich höre schlecht.» Und das wegen dem lauten Gestöhne, das sei kein Porno gewesen, sondern ein Film, in dem eine Frau ein Kind geboren habe, «und die hat dabei natürlich gestöhnt», sagte er lächelnd.Und wie war das mit den Beleidigungen, mit dem Geschrei zum Fenster raus, wollte Kiefer wissen. «Alles erfunden», so der Mann. Warum denn die Familie sowas erfinden sollte, wollte Kiefer von ihm wissen. «Das machen die schon immer so.»Das mit der Gummipuppe, das fand der Nachbar auch gestern noch sehr originell, er musste lachen, als er erzählte, wie er die Puppe, «so eine Jackie», wie er sie nannte, auf dem Estrich gefunden habe. «Ich wollte mal schauen, ob die Luft drin bleibt, da habe ich sie mit der Velopumpe aufgeblasen.» Kiefer zog die Augenbrauen hoch. «Und dafür mussten sie die Puppe an die Fassade hängen?» Der Beschuldigte: «Ja, es war halt Fasnachtszeit, da ist sowas doch normal.»Ob er sich denn vorstellen könne, dass die Familie sowas stören könnte, wollte Kiefer wissen. «Na ja, die haben halt keinen Humor. Also mich hats gar nicht gestört, ich bin ein lustiger Mensch, und die verstehen halt einfach keinen Spass, da kann ich doch nichts dafür.» Und er lacht dieses Lachen.«Ein kauziger Kerl»Das Obergericht schlug den beiden Parteien für den Vorwurf der Beschimpfung einen Vergleich vor. Beide sollten ihre Strafanträge (der Mann hatte die Familie wegen Drohungen ebenfalls angezeigt) zurückziehen. Nach Rücksprache mit dem Anwalt stimmte der Sohn der Familie zu. Auch der Beschuldigte liess sich von seinem Anwalt überreden. Nun sind alle verpflichtet, Abstand zu halten, sich in Ruhe zu lassen und es darf zu keiner Belästigung mehr kommen.Nachdem dieser Punkt abgeschlossen war, blieb noch das Offizialdelikt «unanständiges Benehmen», in diesem Fall das aus dem Fenster Pfeifen, Schreien, und der Vorfall mit der Gummipuppe. Für den Anwalt des renitenten Nachbarn, Christoph Schönberg, ist sein Mandant zwar «kein Unschuldslamm, er ist ein kauziger Kerl, aber er ist nicht böse». Er sieht ihn auch als Opfer der Behörden von Derendingen, die ihn unfair behandelt und gegen ihn ein Entmündigungsverfahren geführt hätten (er hat einen Beirat zugesprochen bekommen). «Und dies nur, weil diese Familie gesellschaftlich etablierter ist», so Schönberg. Für ihn ist das Aufhängen einer Gummipuppe «zugegeben geschmacklos», aber keine Straftat. Er forderte einen Freispruch. Das Gericht entschied jedoch anders. Der Mann wurde zu einer Busse von 100 Franken unter Berücksichtigung einer eingeschränkten Schuldfähigkeit verurteilt. Zudem muss er die Gerichtskosten von insgesamt 2500 Franken bezahlen. Und mit welchen Gefühlen geht er nun aus dem Gerichtssaal? Wirds dem 57-Jährigen vielleicht gar langweilig werden, wenn er nicht mehr auf seine ganz spezielle Art «lustig» sein darf: «Ich glaube nicht. Sonst kauf ich mir halt einen Hund.» Er lacht.Anita Zulauf>

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