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Welsche Besitzer mischen den Zürcher Privatklinikmarkt aufWelsche Besitzer mischen Zürcher Privatkliniken auf

Die Privatklinikgruppe Genolier baut die Klinik Bethanien am Zürichberg um. Langjährige Angestellte bleiben dabei auf der Strecke. Nun soll auch die Klinik Lindberg in Winterthur neu ausgerichtet werden.Erst Bethanien, jetzt Lindberg: Die Genolier-Gruppe baut die Spitäler, die sie unter ihre Fittiche nimmt, radikal um. Dabei bleiben langjährige Angestellte auf der Strecke.

Von Susanne Anderegg Zürich/Winterthur &endash Operationssäle, Zimmer, Ärztehaus, Restaurant, Lobby, Tiefgarage, Park: Alles wird neu. Die welsche Privatklinikgruppe Genolier investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in die Klinik Bethanien. Gestern hat sie über die nächsten Bauschritte informiert. Am Zürichberg entsteht eine neue Welt, das altehrwürdige Spital des Diakoniewerks hat ausgedient. Anfang 2010 hatte Genolier die Zürcher Klinik für 18,5 Millionen Franken übernommen, als Erstes sechs Suiten mit Seesicht eingerichtet und die Geburtenabteilung renoviert. Bethanien will «d i e Top-Privatklinik» sein und ihren Patienten ein exklusives Ambiente bieten. Beat Huber, Direktor der Privatklinik Pyramide und Bethanien-Verwaltungsrat, begrüsst die Neuerungen. «Sie waren dringend, es gab einen Investitionsstau.» Seiner Meinung nach ist die verstärkte Ausrichtung auf eine gehobene Klientel richtig. «Ein Ausländeranteil von 8 bis 10 Prozent ist machbar.» In der Pyramide liege er bei etwa 7 Prozent, viele Patienten kämen aus dem Mittleren Osten und Russland. Davon ist die Klinik Bethanien noch weit entfernt. Der Anteil ausländischer Patienten liegt dort momentan bei 3 bis 4 Prozent, und die Bettenbelegung ist insgesamt ungenügend, was die Verantwortlichen auf die Bauerei zurückführen. Auch sonst läuft nicht alles nach Plan. Bei der Neuausrichtung blieben Dutzende von langjährigen Angestellten auf der Strecke. Schon im Mai 2010 berichtete der TA, dass rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Klinik verlassen hätten &endash darunter viele ältere Pflegefachleute, die unfreiwillig gingen. Betroffene sprachen von einem «Klima der Angst», von Willkür und Mobbing. Ein Insider nannte es «Entsorgungsaktion»: Die Klinik habe ältere Pflegende loswerden wollen. Der Pflegeverband SBK setzte sich für jeden von ihnen ein und erreichte Lohnfortzahlungen von einem halben Jahr und mehr. «Das hat die Klinik sicher mehr gekostet als beabsichtigt war», sagt SBK-Rechtsberater Olaf Irrgang. «Die Mentalität ‹Alt = teuer = unattraktiv› ist besorgniserregend. Erstens stimmt sie nicht, und zweitens wird sie von uns scharf kritisiert.» Klinikdirektor Rainer Stelzer dementierte damals, dass gezielt ältere Angestellte aussortiert würden. Die Fluktuation bewege sich in einem Rahmen, der bei einem Übernahmeprozess normal sei. Da gebe es immer Leute, die sich im neuen Umfeld nicht mehr wohlfühlten. Auch aktuell stellt Stelzer keine ungewöhnliche Häufung von Abgängen fest. «Die Situation hat sich stabilisiert, wir haben ein gutes Arbeitsklima.» Rüder Umgangston Das Personal sieht dies anders. Nach der Pflege sei es auch im Bereich der Hotellerie zu einer Reihe von Abgängen gekommen, berichten Betroffene. Darunter waren auch Kaderleute. «Mitarbeiter sind im Bethanien eine austauschbare Ware geworden.» Besonders die neue Direktorin, Jino Omar, pflege einen rüden Umgangston. Omar war für den TA nicht erreichbar. Stelzer verweist auf die aktuelle Zufriedenheitsumfrage, die sehr positive Ergebnisse gezeigt habe. Omar kam letztes Jahr als Hotellerie-Chefin in die Klinik, nachdem sie zuvor vier Jahre in der Hirslandengruppe im Bereich Patientenbetreuung in leitender Stellung tätig gewesen war. Im Juli 2011 hat sie die Klinikführung von Stelzer übernommen. Dieser ist zum Generalmanager für die Deutschschweizer Kliniken von Genolier aufgestiegen und damit jetzt auch für die Klinik Lindberg in Winterthur zuständig, die seit Mai zur Genolier-Gruppe gehört. Die neuen Chefs von Genolier haben auch in Winterthur in kurzer Zeit viel verändert. Sie schlossen das Herzkatheter-Labor, das 2008 im Rahmen einer Vorwärtsstrategie der kriselnden Privatklinik entstanden war &endash und sich als wirtschaftlicher Flop erwies. Gleich erging es der neuen Notfallstation. Sie kam nie auf die nötigen Fallzahlen und machte deshalb, von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, im Oktober ihre Türen dicht. Auch Direktor Meinrad Lienert hielt sich nicht lange. Nach nur einem Jahr schied er im September aus dem Amt &endash wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung der Klinik. Weitere Abgänge sind bisher nicht bekannt. Vorübergehend leitet Genolier-Finanzchef Ayhan Güzelgün die Klinik Lindberg. Genolier setzt voll auf das Belegarztsystem und nicht auf festangestellte Ärzte. Im Bethanien wurden die Anästhesisten, die bisher fix angestellt waren, in die Selbstständigkeit geschickt. Die Pyramide praktiziert dieses Modell seit Jahren erfolgreich. Pyramiden-Hauptaktionär Cédric George und die Westschweizer Klinikgruppe haben kürzlich mit einem Aktientausch eine Zusammenarbeit vereinbart. Man will im Einkauf und im Marketing kooperieren, aber auch in den Verhandlungen mit den Kassen. Alle drei Kliniken sind nicht auf der Zürcher Spitalliste, sie erhalten also keine Beiträge des Kantons und müssen sich selber um Verträge mit den Versicherern bemühen. Die Pyramide hat einen Vorsprung: Dank langjähriger Erfahrung im Markt der Zusatzversicherungen ist sie bereits mit mehreren Krankenkassen handelseinig. Lindberg und Bethanien hingegen verhandeln noch. Dem Vernehmen nach machen die Kassen Druck auf die Preise. Insbesondere die Behandlung von Übergewichtigen, auf die sich die Klinik Lindberg mit Adipositas-Arzt Fritz Horber spezialisiert hat, werde als zu teuer kritisiert, sagen Insider. Alle vom TA angefragten Kassen versichern aber, Lindberg wie Bethanien seien wichtige Kliniken für sie. Und Genolier-Manager Rainer Stelzer ist zuversichtlich, bis Ende Jahr Verträge «mit allen relevanten Partnern» abschliessen zu können. Über die künftige Ausrichtung der Klinik Lindberg wird Genolier in einer Woche informieren. Stelzer sagt nur so viel: «Wir wollen die Klinik wieder stärker in der Bevölkerung verankern und Belegärzte wie Zuweiser einbeziehen.» Gleichzeitig will Genolier aber auch in Winterthur das machen, was sie in ihren andern Kliniken tut: möglichst viele zahlungskräftige Patienten anlocken. Ob diese aus dem Ausland kommen oder aus der Schweiz, spielt keine Rolle. Gut gepolstert für Gutbetuchte: VIP-Patientenzimmer in der Privatklinik Bethanien. Foto: Sophie Stieger

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