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«Wenn alle sparen, braucht es keine Atomkraftwerke mehr»

Hanspeter Guggenbühl hat seinen Stromverbrauch auf ein Drittel gesenkt.

Stromverbrauch Von René Donzé Illnau – Die erste Antwort am Telefon erstaunt: «Ich beziehe den normalen Strommix mit Atomstrom, wie die meisten anderen im Kanton Zürich auch», sagt der Journalist Hanspeter Guggenbühl, der sich auf Energie- und Verkehrsfragen spezialisiert hat. Ihm eilt der Ruf voraus, ein extremer Stromsparer zu sein. Selbst das Lämpchen im Kühlschrank habe er herausgedreht, um keine Energie zu verschwenden, heisst es. Und es stimmt. «Es ist defekt», sagt er. Guggenbühl und seine Partnerin Beatrix Mühletaler wohnen in einem zwölfjährigen Holzhaus am Osthang in Illnau. Geheizt wird mit Holz und Sonnenkollektoren. Der Journalist schaltet den Laptop aus, bevor er den Gast begrüsst. Ein ergrauter, aber fitter Alt-68er mit Augen klar wie ein Bergsee und einem Zahlengedächtnis wie ein Elefant. Das Haus bietet den üblichen Komfort mit Küche, Bad, Büro, Schlaf- und Wohnzimmer. Nichts Spartanisches haftet ihm an: Fernseher, Stereoanlage und ein Schachcomputer. Alles da. «Das Haus ist warm, und das Bier ist kalt», sagt er. Sonnenwärme statt Tumbler Ein durchschnittlicher Schweizer verbraucht im Haushalt pro Jahr rund 1800 Kilowattstunden Strom (ohne Heizung). Guggenbühl und Mühletaler benötigen nur je ein Drittel davon, obwohl sie ihr Büro zu Hause haben. In den letzten Jahren sei ihr Verbrauch leider etwas gestiegen, bedauern sie. Ohne Internet und ADSL gehe es in ihrem Beruf nicht, sagt der Journalist mit Blick auf eine Tabelle, auf der er seinen durchschnittlichen Tagesverbrauch aufgelistet hat. Die Stromfresserteufel liegen im Detail. Die schöne Ständerlampe im Wohnzimmer verbrauchte im Stand-by noch 8 Watt, bevor Guggenbühl einen Schalter einbaute. «Kinkerlitzchen», sagt er zu solchen Stromsparmassnahmen. «Aber es kann ein bisschen zum Hobby werden.» Getränke kühlt er im Winter auf dem Balkon, bevor sie in den Kühlschrank kommen. Das Teewasser kocht er mit dem Tauchsieder. Beatrix Mühletaler lässt die tiefgefrorenen Beeren aus dem Gefrierfach im Kühlschrank auftauen, damit die Kälte nicht in der Küche verpufft. Den Römertopf hat sie verschenkt, dafür stehen gute Pfannen mit Deckel auf dem Glaskeramikherd. «Mit solchen Kleinigkeiten lässt sich bereits etwas erreichen», sagt Guggenbühl. Doch wirklich gespart hat er vor allem im Grossen, wo es einschenkt: kein Tumbler, sondern direkte Nutzung von Sonnenenergie, indem die Wäsche an der Leine getrocknet wird. Kein grosser Gefrierschrank, sondern frische Produkte. Keine Abwaschmaschine, sondern Handabwasch mit Warmwasser ab Sonnenkollektoren. Kein Riesenfernseher, sondern ein kleines Modell. Konsequent Energiesparlampen und nicht übermässig viele. Und generell verbrauchsarme Geräte. «Effizienz und Suffizienz» nennt er sein Rezept. Und warum beziehen zwei derart ökologisch denkende Menschen dennoch Atomstrom aus der Steckdose? Für Guggenbühl ist das Ökostromangebot der Elektrizitätswerke Heuchelei: «Die Konsumenten können damit ihr Gewissen beruhigen und die Stromkonzerne ihr Image aufpolieren.» Wenn die Schweizer ihren Stromverbrauch nicht reduzieren wollten, müssten sie für den Ersatz von Atomkraftwerken Berge mit Windkraftanlagen und Täler mit Stauseen verbauen. «Wenn aber alle ihren Stromverbrauch halbieren, braucht es keine Atomkraftwerke mehr», sagt der Fachjournalist. «Allein die Wäschetrockner aller Schweizer Haushalte verbrauchen rund zehnmal so viel Strom, wie alle Fotovoltaikanlagen produzieren.» Solarstrom werde erst dann relevant, wenn die Sparmöglichkeiten ausgeschöpft seien. Das Paar erwägt, eine Solaranlage zu installieren, um dereinst energieautark leben zu können. «Dann haben wir auch Strom, wenn es keine Atommeiler mehr gibt.» Hanspeter Guggenbühl und Beatrix Mühletaler.Foto: Dominique Meienberg

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