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Wenn diese Steine reden könnten

Zwei Senioren wollen die Grenzsteine in Lindau dokumentieren. Zu diesem Zweck haben die Hobbyhistoriker die Bevölkerung zum Mitmachen aufgerufen.

Von Thomas Bacher Lindau – «Wenn die Steine reden könnten . . .», sinniert Walter Räbsamen und sieht die Aufnahmen von verschiedenen Grenzsteinen durch. Im vergangenen November stiess er bei einem Spaziergang auf drei ausgegrabene Exemplare hinter einem Werkhof und begann sich für die steinernen Zeitzeugen zu interessieren. Denn die Steine erzählen von wechselnden Macht- und Besitzansprüchen in vergangenen Zeiten. Zusammen mit Edith Ehrensperger beschloss er, die noch vorhandenen Grenzsteine auf dem Gemeindegebiet zu dokumentieren. Bis jetzt sind gegen 20 solcher Markierungen zusammengekommen. «Sie belegen, dass unsere Region früher abwechselnd im Sog der Kyburger, Schaffhauser, Zürcher und Greifenseer war», sagt Edith Ehrensperger, in deren Garten sich zwei Grenzsteine befinden. Diese seien von ihrem ursprünglichen Standort entfernt und irgendwo liegen gelassen worden, erzählt sie. Interessierte Senioren Auch wenn heute nur noch ein Bruchteil der Steine auffindbar ist: Grundsätzlich würden die verbliebenen Exemplare mit Respekt behandelt – auch wenn sie mal im Weg seien. «Die Bauern mähen drum herum», weiss Walter Räbsamen. Und gestohlen werden sie wegen ihres Gewichts auch nicht, meint der Grafstaler. Um eine möglichst vollständige Dokumentation zu erhalten, haben die beiden im Mitteilungsblatt «Der Lindauer» die Bevölkerung aufgerufen, auffällige oder unbekannte Steine zu melden. Mit den Rückmeldungen sind Räbsamen und Ehrensperger zufrieden – auch wenn den zwei Senioren die meisten Standorte bekannt sind. Immerhin einen bisher nicht bekannten Grenzstein konnten sie aber neu in ihre Sammlung aufnehmen. Interessant seien nicht nur die Steine, sagt Edith Ehrensperger. Es sei vorgekommen, dass die Menschen früher zusammen mit den Grenzsteinen auch Werkzeuge oder andere Gebrauchsgegenstände mit eingegraben hätten. Daher sei es wichtig, die Steine wenn möglich sorgfältig auszugraben. Das Katalogisieren der Grenzsteine ist allerdings nur ein Tätigkeitsfeld der Senioren. Beide sind Mitglied der Gruppe «Geschichte» des Vereins Lindau lebt und helfen bei Fragen, welche die vergangenen Zeiten betreffen. Sie vermitteln Kontakte zu Fachleuten und stellen eigene Erkundungen an. Zum Beispiel für die Ahnenforschung. Auch über die Geschichte der Maggi in Kemptthal hätten sie schon verschiedentlich Auskunft gegeben. Edith Ehrensperger ist darüber hinaus eine Fachfrau für alte deutsche Schriften. Immer wieder werde sie von Eigentümern alter Bauernhäuser angefragt, die alte Dokumente oder Briefe gefunden hätten, diese aber nicht lesen könnten. Weitaus einfacher zu deuten sind da die Inschriften auf den Grenzsteinen: Sie bestehen lediglich aus einzelnen Zahlen oder Buchstaben. Walter Räbsamen und Edith Ehrensperger suchen nach alten Grenzsteinen in Lindau .Foto: Thomas Bacher

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