Zum Hauptinhalt springen

Wer sollte das Gerüst organisieren?

Ein Bettlacher verunfallte während seiner Ausbildung zum Maurer schwer. Dies, weil kein Fassadengerüst angebracht worden war. Er klagt nun gegen seinen Arbeitgeber und den für das Bauprojekt zuständigen Architekten.

20 Operationen alleine am rechten Fuss musste der Geschädigte schon über sich ergehen lassen. Eine 21. Operation ist in Erwägung zu ziehen. Vor drei Jahren ist er in Bettlach von einem Garagendach fünf Meter in die Tiefe gestürzt und auf beiden Füssen gelandet, was zu Trümmerbrüchen an beiden Füssen führte. Wäre das erforderliche Fassadengerüst gestellt worden, wäre es kaum zu diesem Unfall gekommen. Ein Fassadengerüst zur Sicherung der Arbeiter ist ab einer Höhe von 3 Metern obligatorisch. Der Geschädigte wird seiner Tätigkeit als Maurer aufgrund seiner Verletzungen nie wieder nachgehen können. Deshalb klagt er gegen seinen Arbeitgeber sowie den für das Bauprojekt zuständigen Architekten. Er wirft ihnen fahrlässige schwere Körperverletzung sowie Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde vor. Gegen den Maurer, der den Lehrling damals instruierte, leitete der Staatsanwalt ein Strafverfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung ein. Der Fall war gestern vor Amtsgericht.Gerüst war nie ein ThemaAn der Verhandlung gab der Hausbesitzer zu Protokoll, er habe in der Planungsphase nie ein Gespräch mitverfolgen können, in dem von einem Gerüst die Rede gewesen sei. Auch der Geschädigte wies darauf hin, dass die Erstellung eines Fassadengerüsts nie Thema auf der Baustelle gewesen sei. Der Architekt, der wenige Stunden vor dem Unfall die Baustelle noch besucht hatte, sagte aus, er hätte sowohl den Maurer als auch den Lehrling angewiesen, keine Arbeiten in der Höhe auszuführen, da dies viel zu gefährlich sei. Er würde den Unternehmer informieren und nochmal ein Gerüst anfordern. Seine damalige Aussage habe die klare Anweisung enthalten, keine Arbeiten mehr ohne Gerüst auszuführen. Doch wenige Stunden später ereignete sich der Unfall.Wer war verantwortlich?Bezüglich der Bestellung des Fassadengerüsts standen sich die Aussagen des Unternehmers und jene des Architekten gegenüber. Der Unternehmer bestritt, vor dem Anruf am Unglückstag mit der Organisation des Fassadengerüsts beauftragt worden zu sein. Er sei nach eigenen Aussagen überrascht darüber gewesen, als der Architekt das Gerüst anforderte. Er sei davon ausgegangen, dass sich der Architekt um das Gerüst bemühen sollte. Nach der dreistündigen Verhandlung plädierten die drei Vertreter der Angeklagten auf Freispruch von den Vorwürfen, sowie Entschädigungen, da sie die mittlerweile drei Jahre andauernden Verfahren physisch und psychisch mitgenommen habe. Anna Meister>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch