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Wertmarken statt Geld

Sozialhilfe Fürsorgebezügern das Auto wegnehmen, TA vom 21. 6. Kontrollsucht ohne Ende. Wovon reden wir da eigentlich. Die einen wollen Autos wegnehmen; andere sprechen von Autofahren verbieten. Eigentlich ist doch die Situation klar. Entweder hat jemand ein teures Auto, dann ist das Vermögen und zählt beim Entscheid mit, ob die Person überhaupt Fürsorgegeld erhält. Im Rahmen eines solchen Entscheides braucht es nicht mehr viele Zusatzregeln. Die Frage ist eher, bemüht die Person sich, wieder auf eigene Füsse zu kommen, wo das überhaupt möglich ist. Es gibt auch Leute ohne Auto, die dazu keine Lust verspüren. Den Überwachungsschergen muss ich aber auch sagen, es geht nicht an, jemanden als Schmarotzer zu diffamieren, bloss weil man ihn an einem Autosteuer gesehen hat. Wenn ich einen Bekannten habe, der in einer solchen Situation ist, kann es durchaus vorkommen, dass ich ihm für einen bestimmten Zweck mein Auto leihe. Dadurch wird er nicht zum Krösus. Und wo ist dann die Grenze, wenn es ums Fahrzeug (oder dessen Benutzung) geht? Beim Motorrad, beim Fahrrad (wenn es noch nicht ganz verlottert ist)? Und wo ist die Fortsetzung dieser Kontrollsucht? Irgendwann erlauben wir dann nur noch den Abzockern, sich etwas zu essen zu kaufen. Als Folge davon haben diese dann bald nichts mehr abzuzocken. Was heisst denn leben? Und ist das nur das Vorrecht der Millionäre? Die brauchen doch uns Ameisen für ihren Reichtum. Erich Brauchli, Niederweningen Der Vergleich hinkt. TA-Redaktor Ruedi Baumann vergleicht einen Sozialhilfeempfänger mit einem Lehrer, Beamten oder Politiker bezüglich ihrer Freiheit, was sie mit ihrem Geld anstellen dürfen. Ich habe das Gefühl, Herr Baumann hat das Prinzip einer Volkswirtschaft nicht verstanden. Wer Leistungen erhält, die durch andere gegeben werden, sollte das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen. Wenn ich auf die Bank gehe und einen Kredit brauche, muss ich mich auch rechtfertigen. Die Bank kontrolliert mich, und ich muss das Geld mit Zinsen zurückbezahlen. Das ist Teil unseres Systems. Der Vergleich Lehrer/Beamte mit einem Sozialhilfeempfänger ist echt grob. Erhält ein Lehrer/Beamter auch seine Wohnung bezahlt, ist seine Krankenkasse und AHV kostenlos, und erhält er/sie weitere Vergünstigungen? Wenn man alles zusammenrechnet, belaufen sich die «Kosten» auf 2000 bis 3000 Franken pro Sozialhilfeempfänger. Und dafür sollte man sich rechtfertigen müssen. Ein anderer Vergleich wäre angebracht: Muss ich mich demütigen lassen wegen der dummen Raser? Muss ich mich überwachen lassen, weil es Verbrecher gibt? Muss ich mich anprangern lassen, weil ich mehr Geld als andere verdiene? Ja, leider ist das der Fall, und ich fühle mich dadurch gedemütigt. Daher fordere ich: kein Geld mehr für Sozialhilfeempfänger, sondern Wertmarken, die durch gültigen Sozialhilfepass eingelöst werden können. Damit kommen die von mir erbrachten Leistungen an die Sozialhilfeempfänger dem Zweck zu, dem sie angedacht sind. Ja stimmt, das demütigt. Sehr sogar. Aber muss sich ein Sozialhilfeempfänger schämen, wenn er/sie unschuldig ist? Nein, genauso wenig wie ich mich schäme, wenn ich trotzdem Auto fahre, mich ordentlich benehme und meine Steuern bezahle. Wernher Kurz, Rickenbach

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