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Wie das Kabelzug-Team im Stromlabyrinth den Überblick behält

Immer öfter fliesst der Strom unter- statt überirdisch zu den Verbrauchern. Wie aufwendig die Verlegung ist, zeigt die elektrische Erschliessung einer Wohnsiedlung in Eglisau.

Eglisau. - Eine kleine Fingerbewegung, und schon ist es hell; ein leichtes Antippen der Taste, und die Kaffeemaschine läuft. Strom ist so einfach zugänglich und unverzichtbar geworden, dass man kaum noch wahrnimmt, wie er überhaupt zu den Verbrauchern und deren Geräten gelangt. Tagtäglich Einblick in das grosse Netz der Stromleitungen hat die Kabelzug-Equipe der EKZ. Anlässlich einer elektrischen Erschliessung der neuen Wohnsiedlung Gupfen in Eglisau hat das Team gestern unterirdische Kabel ersetzt, die seit 1955 die Umgebung mit Strom versorgen. Vor der Trafostation beim Schulhaus Städtchen ist das eine Ende der Leitung freigelegt worden. Das andere Ende befindet sich 400 Meter entfernt vor dem Eingang der Überbauung. Der Hubstrasse entlang bis zum Neubau legt der Strom keinen geraden Weg zurück. 80 Zentimeter unter der Erde biegen die Kabel um Kurven, steigen oder sinken je nach Gefälle. Das erschwert die Arbeit für die fünf Männer des Kabelzug-Teams, die sich an den jeweiligen Enden der Rohre postiert haben und sich per Funk absprechen, wann und mit welcher Kraft das Kabel per Zugmaschine eingezogen wird. Doch bis es so weit ist, sind mehrere Vorbereitungsschritte nötig. Die Bierflasche im Rohr Um das neue Kabel zu verlegen, muss zunächst mit einer Schnur ein dünnes Drahtseil durch das Rohr gezogen werden. Zwischen 200 und 300 Kilogramm Zugkraft sind dazu nötig - gerade genug, um die Schnur herauszuziehen, ohne sie zu beschädigen. Reisst sie, müsste sie mit Luftdruck aus dem Rohr geblasen oder mit einer bis zu 120 Meter langen Rute «gefischt» werden. Doch das komme selten vor, sagt EKZ-Projektleiter Bruno Erdin. Damit das Drahtseil besser durch das Rohr passt, wird es von Hand eingefettet. Einmal drin, dient es dazu, einen dicken Draht zu verlegen, der schliesslich die Stromkabel in die Röhre zieht. Bei diesem mehrstufigen Vorgang wird eine Art Bürste verwendet, die störendes Material hinausstösst. «Da ist schon allerhand zum Vorschein gekommen», sagt Bruno Erdin. Einmal gar eine leere Bierflasche, die wohl vor vielen Jahren ein Bauarbeiter entsorgt hatte. Auch Leitungen, die auf Plänen fehlen, sorgen hie und da für Überraschungen. «Einmal haben wir eine Leitung entdeckt, bei der wir erst nach mehrtägigen Nachforschungen herausgefunden haben, wohin sie überhaupt führt», sagt Bruno Erdin. Die Verlegung der Stromkabel ist aufwendig und je nach Bauland und Besiedlung um ein Zwei- bis Fünffaches teurer, als wenn sie über Masten verlegt würden. An diesen wären sie auch schneller zu ersetzen. Dennoch werden immer mehr Kabel unterirdisch verlegt - nicht nur des Ortsbildes wegen. Unterirdische Stromleitungen sind vor Witterung geschützt und halten bis zu 40 Jahre, während Freileitungen eine durchschnittliche Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren haben. Schäden entstehen nur durch saure Böden oder starke Erdbewegungen. Oder dann, wenn Bauarbeiter den Überblick über das Kabellabyrinth verlieren und mit einer Baggerschaufel die Kabel durchtrennen.

Ein Kabelzug-Mitarbeiter zieht mithilfe einer Schnur eine neue Leitung ein.

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