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Wie viel Spass macht es, bei diesem GC im Tor zu stehen?

Eine Begegnung mit Goalie Ivan Benito vor dem Spiel gegen Bellinzona.

Von Peter Bühler, Niederhasli Ivan Benito ist bestens gelaunt an diesem Nachmittag. Sein Blick schweift über den Campus, das grosszügige Trainingszentrum der Grasshoppers im Niemandsland von Niederhasli. «Schauen Sie sich das an, etwas Besseres gibt es nicht im Schweizer Fussball», schwärmt er. Für den Fotografen stellt er sich in seiner Goalie-Montur im Kabinengang auf, er posiert geduldig, nichts ist ihm zu viel. Nach dem Fototermin klatscht er im vereinseigenen Café geduldig die kleinsten Junioren ab. Sie warten nach dem Training auf ihre Mütter und bekommen einen Sirup serviert. Viele Buben kennt Benito vom Sehen, von einigen weiss er den Vornamen. Für jeden hat er ein gutes Wort übrig, begleitet meistens von einem Klaps auf die Schultern. Benito, Torhüter Nummer 1 von GC («mindestens bis zur Winterpause», wie Trainer Sforza erklärt), ist ein Fussballer zum Anfassen, offen und unkompliziert. Zum Interview setzt er sich an einen freien Tisch, neugierig erwartet er die erste Frage. Ivan Benito, wie viel Spass macht es, bei diesem GC im Tor zu stehen? Er fühlt sich nicht im Geringsten provoziert, entgegnet vielmehr mit einem entwaffnenden Lächeln: «Es macht sehr viel Spass.» Seit acht Wochen sind die Grasshoppers Tabellenletzter der Super League. Kein Klub hat weniger Siege, keiner hat weniger Punkte, keiner hat weniger Tore erzielt – und nur drei Vereine, Xamax, Bellinzona und St. Gallen, haben mehr Gegentreffer zugelassen. Das ändert für Benito nichts daran, dass GC trotz aller sportlicher und finanzieller Probleme nach wie vor eine sehr gute Adresse sei: «GC ist im Sport eine Marke. GC ist der Rekordmeister und neben Basel und den Young Boys wohl der einzige Klub, den man auch im Ausland kennt.» Gebetsmühle Campus Für den Goalie ist die gegenwärtige Situation mit GC auf Platz 10 nicht mehr als eine Momentaufnahme. Sie gebe die wahren Stärkeverhältnisse in der Super League nicht wieder. Tatsächlich sind die Abstände am Tabellenende gering. St. Gallen auf Rang 7 liegt nur vier Punkte vor GC. Benito sagt: «Wir sind gewiss nicht schwächer als Bellinzona, Xamax und St. Gallen, die unmittelbar vor uns platziert sind.» Spätestens im Frühling, wenn die zahlreichen Verletzten zurückkehrten und nicht mehr die ganze Last auf den jungen, unerfahrenen Spielern liege, werde man ein ganz anderes GC sehen, behauptet er. Kein Zweifel: Auch Benito hat die klubeigene Doktrin des Schönredens der gegenwärtigen delikaten Situation, in der sich der Traditionsverein befindet, bereits verinnerlicht – den «Das kommt schon gut mit GC»-Tenor, den vom Präsidenten über den Trainer bis zum Medienchef im Campus alle gebetsmühlenartig herunterleiern. Nur: Im Gegensatz zu einigen anderen im Verein warnt Benito auch. Er sagt, es wäre verhängnisvoll, die Lage zu unterschätzen. «Wir müssen sehr hart arbeiten, um vom Tabellenende wegzukommen, wir dürfen uns nicht auf das Glück und auf Zufälle verlassen.» Das tönt vernünftig. Wer weiss denn, ob bis zum Start der Rückrunde die verletzten Schlüsselspieler zurückkehren werden? Ricardo Cabanas, gleichermassen Spiel- wie wichtiger Meinungsmacher im Team, wird es nach einer Knieoperation Anfang dieser Woche jedenfalls nicht schaffen. Und wer weiss, ob es im Frühling nicht neue verletzte Spieler geben wird? Benito sieht es fatalistisch: «Gleich neun, zehn Verletzte werden es ja kaum nochmals sein.» Trügerischer Blick zurück Bei GC pflegt man in der momentanen Lage gern den Blick zurück auf die letzte Saison, in der die Mannschaft ebenfalls schwach startete und sich bis zum Schluss bis auf Rang 3 und in die Europa League emporarbeitete. Es könne ja diese Saison genau gleich herauskommen, denken viele. Benito mag sich dazu nicht äussern: «Ich spielte damals noch in Aarau und weiss nicht, was bei GC vor sich ging.» Der Blick in die Statistik zeigt, dass die Zürcher in der vergangenen Spielzeit nach fünf Durchgängen zwar Letzte waren, sich bis zur 15. Runde, zum gleichen Zeitpunkt wie jetzt, aber bereits auf Platz 8 verbessert hatten – mit 17 Punkten, 5 mehr als gegenwärtig. Und in der 16. Runde folgte am 7. November 2009 mit einem 7:0 gegen Bellinzona der Befreiungsschlag – zu diesen drei Punkten kamen bis zum Saisonende in 20 Spielen weitere 45 (!) Zähler hinzu. Damals spielten bei GC noch Leistungsträger wie Sommer, Zarate, Ben Khalifa oder Lulic. Wie neun andere Spieler haben sie den Klub verlassen, gleichwertig ersetzt wurden die wenigsten, vorab aus Kostengründen. «Keine Panik, keine Hektik» Der Tabellenvorletzte aus Bellinzona ist heute im drittletzten Durchgang vor der Winterpause erneut der Gegner von GC im Letzigrund. Benito bezeichnet die Partie gegen die Tessiner als Schlüsselspiel und sagt, in der gegenwärtigen Situation müssten sie ein Heimspiel gegen Bellinzona ganz einfach gewinnen. «Und wir werden gewinnen», kündigt er an. Er ist vom zweiten Heimsieg seiner Mannschaft überzeugt, weil er auf den «guten Geist» im Team wie im Klub vertraut: «Es gibt keine Panik, keine Hektik, ja nicht einmal übertriebene Nervosität – es gibt nur den Ehrgeiz von allen, da unten rauszukommen.» Eine letzte Frage noch, Ivan Benito: Haben Sie keine Bedenken, im Sommer vom Absteiger Aarau zum potenziellen Absteiger GC gewechselt zu haben? Der Routinier mit seinen 34 Jahren und über 300 Einsätzen in der höchsten Schweizer Liga setzt ein letztes Mal sein entwaffnendes Lächeln auf und entgegnet: «GC in der Challenge League? Also das ist nun wirklich kein Thema!» Voraussichtliche GC-Aufstellung: Benito; Menezes, Vallori, Colina, Pavlovic; Salatic, Abrashi; Lang, Hajrovic, Zuber; Graf. Bei GC haben alledie Klubdoktrin verinnerlicht: Schön-reden der delikaten Situation am Tabellenende. Ivan Benito im Kabinengang des Campus in Niederhasli: «GC in der Challenge League? Also das ist nun wirklich kein Thema!»Foto: Reto Oeschger

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