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Wiedersehen zweier Unzertrennlicher

Beim 3:2-Sieg der Lakers gegen Davos trafen die langjährigen Weggefährten Michel Riesen und Reto von Arx erstmals als Gegner aufeinander. Es war eine denkwürdige Begegnung.

So wie es war, wird es nie mehr sein. Michel Riesen steht links neben dem Tor. Sein Rücken ist gebeugt, seine Stockschaufel ruht auf dem Eis, sein Blick fixiert den Puck, den Reto von Arx am rechten Bullykreis kontrolliert. Jeder weiss: Wenn niemand den Querpass verhindert, fällt ein Tor. Unzählige Male hat sich diese Szene während neun Saisons beim HC Davos wiederholt, eine Szene, die zu den vier Bündner Meistertiteln seit 2002 gehört wie Coach Del Curto oder die ewige Diskussion darüber, warum zwei der besten Spieler der Schweiz nicht für die Nationalmannschaft auflaufen.

Es ist eine Szene in Blau-Gelb, die es wohl nie mehr geben wird. Im Sommer zog Riesen mit einem Vierjahresvertrag ins Unterland - wo seine Frau herkommt, hier möchte er sich eine neue Existenz aufbauen. Sein Freund und bevorzugter Passgeber Reto von Arx aber blieb zurück. Der Titel, den die beiden im April gewonnen haben, wird wohl der letzte gemeinsame bleiben. Nach der Meisterfeier hiess es sportlich Abschied nehmen für die beiden Stürmer, die so gegensätzlich sind und sich doch so gut ergänzten.

Verkehrte Welt in Rapperswil-Jona

Nun standen sie sich erstmals überhaupt als Rivalen gegenüber. Arno Del Curto - bis vor zwei Wochen der einzige NLA-Coach, den die beiden je hatten - musste zum ersten Mal gegen Michel Riesen coachen. Dabei ist der Engadiner mit verantwortlich dafür, dass es überhaupt so weit kam: Er gab seinen Zögling letzten Herbst aus einem Vertrag bis 2011 frei, weil dieser sich privat und geographisch verändern wollte. Wer sich so viele Verdienste um den HCD erworben habe, verlautbarte der Trainer damals, der habe sich diese Freiheit verdient.

Beim Wiedersehen auf dem Eis verhielt sich Davos seinem Ehemaligen gegenüber allerdings weniger freigiebig. Riesen sei vor dem Spiel kein besonderes Thema gewesen, meinte Del Curto zwar. Aber wer den Coach kennt und auf die Verteidigungsarbeit seiner Spieler achtete, sah einen Lakers-Goalgetter, der in der hartnäckigen Davoser Defensive immer wieder hängen blieb - und in einigen wenigen Fällen erst an Torhüter Genoni. Kein Tor, aber ein Assist in Überzahl liess sich der verlorene Sohn beim 3:2-Sieg gutschreiben und leistete so einen weiteren Beitrag zur verkehrten Welt in Rapperswil-Jona. Dass ausgerechnet der designierte Passgeber Von Arx für die Gäste getroffen hatte und Davos erstmals überhaupt in dieser Saison Punkte abgab, passte ebenfalls ins Bild.

Eine Umarmung wie ein Symbol

Und dennoch war dieses Bild am Ende stimmig. Nach zwanzig Minuten Einspielen und einer Stunde Match, während denen keiner vom andern Notiz zu nehmen schien, lagen sich Reto von Arx und Michel Riesen nach der Schlusssirene in den Armen. Sie kennen sich seit Jugendzeiten, als der Bieler Flügel und der Langnauer Center die Stars der Junioren-Auswahlen waren. Sie wurden im Abstand von zwei Jahren in den Neunzigern von Del Curto nach Davos gelotst. Sie haben ähnliche Erfahrungen in Nordamerika gemacht, wo sie sich in zwei Dutzend NHL-Spielen einen Traum erfüllten und in 271 Einsätzen in den Farmteams am eigenen Leib erfahren haben, was sie für sich nicht wollten.

So wirkte die abschliessende Umarmung der beiden einst Unzertrennlichen auch wie ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass der eine auch ohne den andern Erfolg haben kann: Riesens Lakers gewannen das Spiel, Von Arx’ Davos bleibt Tabellenführer. Und von den Rängen skandierten die Fans die Namen ihrer beiden Helden.

Wick erlöste die Flyers, Seite 31 Sulanders triumphale Rückkehr, Seite 31

Keine Spur von Niederlage oder Sieg, nur das Lachen zweier alter Freunde: Reto von Arx und Michel Riesen.

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