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«Wir schauten uns von morgens um 9 bis abends um 11 Filme an»

Die Oetwilerin Seraina Rohrer ist die neue Direktorin der Solothurner Filmtage. Die Filme für das Programm zu sichten, war die anstrengste Aufgabe.

Mit Seraina Rohrer sprach Mirjam Bättig-Schnorf Das Zusammenstellen des Programms für das Festival. Mit der Auswahlkommission habe ich alle Filme des vergangenen Jahres gesichtet. Wir visionierten während drei Wochen jeweils von morgens um 9 bis abends um 11 Uhr. Gegessen wurde aber dazwischen (lacht). Es fühlte sich an wie ein Marathon. Natürlich. Ich habe mir das immer so ähnlich vorgestellt wie bei einer Geburt, und genau so war es: Alle sagen, das überlebst du kaum, das ist so hart! Aber am Schluss ist es eine der besten Erfahrungen, und man freut sich wahnsinnig. In diesem Fall, weil man ein super Programm zusammengestellt hat. Nein, genervt nicht, das ist Teil des Spiels. Aber das mit dem Alter sind doch Schubladen. Gerade bei Ivo Kummer hat man immer wieder gesehen, wie stark er das Festival weitergebracht hat. Alter schliesst Innovation nicht aus. Ich kenne Leute, die mit 70 Jahren noch total jung wirken und begeistert sind, während 30-Jährige zum Teil schon alt wirken. Ich glaube, meine Liebe zum Film ist durch die Abwesenheit von Filmen entstanden. Genau. Wir durften dann irgendwann mal einen Film von Walt Disney schauen, doch der brach an der spannendsten Stelle ab. Das war für mich ein Riesendrama, das mich nicht mehr losliess. Meine Faszination für die visuelle Darstellung von Geschichten war geweckt. Ich habe einen breiten Filmgeschmack: Low-Budget-Streifen, Hollywood-Kisten Autorenfilme. Ich gehe oft ins Kino. Natürlich schaue ich mir einen Film anders an als jemand, der beruflich nichts damit zu tun hat. Trotzdem geniesse ich es jeweils sehr. Ich bin immer wieder überrascht, welche Geschichten erzählt werden und wie breit das Spektrum der Darstellungsmöglichkeiten ist. Nehmen wir eine romantische Komödie: Am Schluss kommen die Protagonisten zusammen, das ist klar. Aber was dazwischen liegt und wie überzeugend es rüberkommt, ist immer wieder neu und spannend. Ich bin nicht abgebrüht. Ich wechsle meinen Schweizer Lieblingsfilm bei jedem Interview (lacht). Es ist so schwierig, mich zu entscheiden, weil Filme so unterschiedlich sind. Unglaublich berührte mich in den letzten Jahren «Home» von Ursula Meier. Aber auch den Klassiker «Höhenfeuer» von Fredi Murer finde ich ganz stark. Meine Lieblinge schaue ich immer wieder. O ja. Wenn mir ein Film gefällt, will ich ihn allen Freunden zeigen und auch alleine immer wieder schauen. Manche Filema habe ich bestimmt schon 15-mal angeschaut. Etwa «In the Mood For Love» oder «Lost in Translation». Nein, gar nicht. Das heisst, ich habe bereits in einem gespielt, erst letztes Jahr. In einer mexikanischen Low-Budget-Produktion mime ich eine amerikanische Konsulin, die mexikanische Migranten abweist. Ich bin da reingerutscht, weil ich in Mexiko am Recherchieren war. Dennoch sehe ich mich als Filmvermittlerin und nicht als Schauspielerin. Ja, etwa mit John Malkovich oder Bud Spencer. Ich bin aber nicht jemand, den das extrem beeindruckt. Ich finde nicht, dass ich mich anders verhalten muss, nur weil ein Schauspieler berühmt ist. Beim Festival steht für mich der Film im Vordergrund. Da kommt mir Bud Spencer in den Sinn. Ich hatte ihn als Schläger und Haudegen in Erinnerung und dachte mir: «Ui nei, was soll ich den ganzen Tag mit dem reden, das wird sicher total langweilig.» Ich wurde dann positiv überrascht, weil er wahnsinnig intelligent ist und so viel Spannendes erzählt hat. Lustig war ein Erlebnis mit Pascal Couchepin: Er wurde von übereifrigem Personal daran gehindert, die Piazza zu betreten, weil er kein Ticket hatte. Da musste ich dann hingehen und sagen: «Lasst ihn bitte vorbei, das ist der ‹conseiller fédéral›!» Meine Mutter wohnt bis heute in Oetwil, und ich besuche sie regelmässig. Oft steige ich in der Forch aus und spaziere bis zum Haus meiner Mutter. Da sieht man wunderbar, wie sich die Jahreszeiten ändern.

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