Zum Hauptinhalt springen

«Wir sind nicht das zweite Barcelona»

Kloten-Trainer Anders Eldebrink erklärt, warum es den Flyers an spielerischer Leichtigkeit fehlt.

Mit Anders Eldebrink sprach Etienne Wuillemin in Kloten Die Spieler verdienten sich das Fest an der «Players Night» im Klotener Alpen Rock House mit einem erkämpften 2:1 über Biel. Der Trainer blieb aussen vor. «Die Party hiess ja nicht ‹Senior Players Night›», scherzt Anders Eldebrink. Stattdessen gönnte er sich zu Hause ein gutes Glas Rotwein. Gestern bei der Autogrammstunde war er dann wieder Teil des Teams. Letzte Saison lief alles wie im Traum. Wir mussten nicht überlegen, spielten einfach, alles gelang. Deswegen sind einige Spieler nun mit höheren Erwartungen konfrontiert. Es ist menschlich, dadurch ins Stocken zu geraten. Zum Beispiel, ja. Er muss einen Weg finden, das Monster in ihm zu besiegen. Einen Weg finden zurück zum Flow, der ihn letzte Saison ausgezeichnet hat. Wenn ich als Spieler in einer Krise war, konzentrierte ich mich auf kleine Sachen, freute mich schon über gelungene Spielzüge. Dann kommt einmal ein Tor. Dann das nächste und so weiter. Ich versuche, Bodenmann meine Erfahrung weiterzugeben. In Kanada würde es einfach heissen: Zurück ins Farmteam! Ohne dass der Coach mit einem sprechen würde. Wir profitieren sicher davon, dass auch den Verteidigern schon viele Tore gelungen sind. DuPont und Blum waren überragend, das haben sie gegen Biel einmal mehr gezeigt. Im Sturm spielte Liniger unglaublich. Und natürlich Lemm, der viele entscheidende Treffer erzielt hat. Sein Schicksal belastet natürlich alle. Jeder macht sich Gedanken und Sorgen, das kostet Kraft und Aufmerksamkeit. Ich habe mit ihm telefoniert und habe das Gefühl, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht. Er braucht jetzt viel Ruhe, aber ich weiss: Romano ist einer, der nicht so schnell aufgibt. Er wird sich zurückkämpfen. Nein. Auch nicht als Spieler. Aber früher war die Belastung auch geringer. Dienstag, Samstag, Dienstag, Samstag, das war schön. Und nach den Spielen am Wochenende immer ein grosses Fest. (Lacht.) Ja: Pech! Klar trainieren wir hart, das müssen wir auch, aber die Verletzungen kamen nicht deshalb zustande, sondern wegen Checks, Stockschlägen oder eben Pech wie bei Kellenberger, der sich beim Bully die Schulter ausrenkte. Die fehlende spielerische Leichtigkeit ist auch eine Folge der Absenzen. Wir sind nicht der zweite FC Barcelona, der Spieler ohne Mühe gleichwertig ersetzen kann. Wick und Rüeger sicher. Du Bois wohl auch. Und vielleicht Hollenstein. Nein, der Druck ist gleich gross, auch mit einem neuen Vertrag. So ist das in diesem Business. Aber ich war lange genug als Ausländer hier, ich weiss, wie es ist, damit umzugehen. Ich mag den Druck, er sorgt dafür, dass ich heiss bleibe. Die Atmosphäre und die Philosophie des Klubs gefallen mir. Es sind nicht einzelne Stars wichtig, sondern das Kollektiv. Diese Haltung haben alle verinnerlicht. Das ist typisch schwedisch und meiner Meinung nach am erfolgversprechendsten. Einen Satz wie: «Die erste Linie muss das Spiel entscheiden!», gibt es bei mir nicht. Alle stehen in der Verantwortung. Ich hoffe es. Zudem dürfen Sie etwas nicht vergessen: Dieses Team hat den Zenit noch nicht erreicht. Als ich als Spieler in die Schweiz kam, wollte mich Lugano gleich für fünf Jahre verpflichten &endash und bot viel mehr Geld als Kloten. Aber ich spürte, dass die Tessiner nach vielen Titeln satt wurden, Kloten dagegen war hungrig. Wie jetzt auch. Anders Eldebrink. Biel niedergerungen: Klotens Liniger, Berger und Flückiger (v. l.). Foto: EQ Images

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch