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Wo sich der Besucher selbst in Szene setzt und kopflose Kunst betrachtet

In der Zumiker Galerie Milchhütte überraschen drei Kunststudentinnen mit Porträts der eigenen Art. Am Samstag war Vernissage.

Von Willy Neubauer Zumikon – Im landläufigen Sinn ist ein Besen eine hässliche Frau. Das ist Martina Birrer wirklich nicht. Dennoch ist in ihrem Selbstporträt ein Reisigbesen abgebildet, von der Art, die Strassenfeger für ihre Arbeit verwenden. Die Erklärung dafür ist ebenso einfach wie originell. Birrer hat nicht Gesicht oder Körper porträtiert, sondern ihre Grösse und ihr Gewicht visualisiert. So heisst ihr Teil der Ausstellung: 1,74 m / 64 kg. Sie hat Gegenstände aus ihrem Haushalt gewogen. Als sie die 64 Kilogramm, ihr Lebendgewicht, erreicht hatte, türmte sie die Gegenstände auf, bis der Turm 1,74 Meter hoch war. Dann fotografierte sie das Kunstwerk. So hängt das Besen-Stillleben neben dem CD-Hüllen-Turm auf dem Tischchen und dem Konstrukt mit Gasflasche und Nähmaschine. «Der Besen war praktisch wegen seiner Länge, und die Gasflasche gehört zum Gasgrill auf dem Balkon», meint Birrer schmunzelnd. Küsnachter in Blei und Kohle Die Küsnachterin Cornelia Fröhlich hat den Begriff Porträt wörtlich genommen und das Gesicht eines bekannten Küsnachters in verschiedenen Techniken skizziert. Auf ihren Werken blickt dem Betrachter Eugen Voss mal in Bleistift, mal in Kohle, Tusch oder Kreide auf Papier entgegen. Sie habe einfach experimentieren wollen, erläutert Fröhlich, die den Partner ihrer Mutter immer wieder unter anderem Blickwinkel festgehalten hat. Dieser ist an der Vernissage anwesend, was einen direkten Vergleich zulässt. Die Porträts geben sein Äusseres sehr realistisch wieder. Anja Baggenstos präsentiert «kopflose» Kunst. Ihre Akte sind Selbstbildnisse aus der Sicht der Betrachterin, die an sich selbst hinunterschaut. «Die Idee ist eigentlich naheliegend. Wenn man Akte zeichnet und kein Modell zur Verfügung hat, porträtiert man sich selbst», erklärt Baggenstos. Diese Perspektive fasziniere sie, denn anders als im Spiegelbild verändere sich der Körper bei dieser Betrachtungsweise. Um die Farbnuancen der Haut genau zu treffen, hat sie mit Aquarellfaben gearbeitet. Selbstporträts des Publikums Das Publikums-Happening findet vor der Galerie statt. Da haben die drei einen Prontophot-Kasten Marke Eigenbau installiert. Wer das hölzerne Kabäuschen betritt, kann sich mit verschiedenen Requisiten verschönern. Frisuren, Schnäuze, Krawatten, Tabakpfeife und Ähnliches stehen für das Selbstporträt zur Verfügung. Wie beim richtigen Prontophot wird das Bild nach einer kurzen Wartezeit vom Kasten ausgespuckt – nur der Schlitz für den Geldeinwurf fehlt. An der Vernissage stehen die Besucher für ihr Porträt an. Die drei Künstlerinnen besuchen die Hochschule Design und Kunst in Luzern, stehen kurz vor dem Bachelor und wissen noch nicht genau, was sie nachher machen. Der Kunst in irgendeiner Form werden sie erhalten bleiben. Die Ausstellung in der Milchhütte ist die erste Präsentation ihrer Werke ausserhalb der Schule. Deshalb fehlt auch die sonst übliche Preisliste. Wer sich für ein Werk interessiert, diskutiert das einfach mit den Nachwuchskünstlerinnen. Galerie Milchhütte, Dorfstr. 31, Zumikon. Bis 23. Oktober täglich von 18 bis 20 Uhr. Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur Cornelia Fröhlich aus Küsnacht mit einem Porträt von Eugen Voss. Foto: D. Kellenberger

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