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Wo Stars für ihre Küche einkaufen

Gottfried von Siebenthal ist ein grosser Geschichtenerzähler: Er führt das 137-jährige, gleichnamige Geschäft «für Tisch & Küche» in 4. Generation. Seit 43 Jahren steht er im Laden und hat viele berühmte Gstaader Kunden beraten.

Ein Gespräch mit Gottfried von Siebenthal führt über viele Geschichten zu jener seines Geschäfts. Der Traditionsbetrieb «Von Siebenthal für Tisch & Küche» feiert heuer seinen 137. Geburtstag. Die Geschichte des Fachgeschäfts für Tischkultur und Küche im Herzen von Gstaad ist eng verbunden mit jener der Familie des aktuellen Ladeninhabers. Dessen Urgrossvater Gottfried gründete 1872 den Vorgänger von «Tisch & Küche», einen Eisenwarenladen. Der 63-jährige Gottfried von Siebenthal, Vater dreier Töchter und eines Sohns, hat zwei Bücher über die Geschichte von Gstaad geschrieben und dabei auch vieles über seine eigene Herkunft erfahren (siehe Quellenangabe). «Ich sammle seit fünfzig Jahren Postkarten über Gstaad und habe die wohl grösste Sammlung über das Dorf», erzählt von Siebenthal. Die eigentliche Motivation für die beiden Bücher war aber eine ander: Der Gstaader Hobby-Historiker wollte wissen, warum das ursprüngliche Haus, in dem sich der Eisenwarenladen befand, abbrannte.Der Brand von 1898 «In zahlreichen Gesprächen mit Einheimischen wurde mir klar, dass viele nicht wussten, dass das Gstaader Dorf 1898 niederbrannte. Damals hatte das Dorf lediglich 150 Einwohner und nur ein paar Häuser konnten vor der Feuerbrunst gerettet werden», erzählt von Siebenthal und fügt an: «Jene, die vom Brand wussten, konnten und wollten aber nichts über die Ursachen erzählen.» In zahlreichen Interviews erfuhr der Oberländer Autor schliesslich, das verschmähte Liebe und schliesslich Brandstiftung die Ursache für das Feuer waren. Und auch, dass das Feuer neben dem Eisenwarenladen seiner Urgrosseltern gelegt wurde und schliesslich von ihrem Geschäft auf andere Häuser im Dorf überging. Gottfried von Siebenthals Grossvater Gottfried baute das Haus, so wie es heute an der Gstaad-Platz steht, neu auf. «Ich habe keine Ahnung, mit was für Geld er es gebaut hat. Meine Urgrosseltern haben beim Brand ihr ganzes Hab und Gut verloren», weiss der Oberländer Geschäftsinhaber. Er wisse jedoch nicht, warum der Urgrossvater gleich ein Haus mit drei Stöcken gebaut hat.Ausbau zum Fachgeschäft 1942 übernahmen Gottfried von Siebenthal’s Eltern das Geschäft. Nebst Haushaltartikeln und Eisenwaren wurden auch Skier, Schlittschuhe und Schlitten geführt. In den 50er Jahren setzte er alle Karten auf das Haushaltwarensortiment. Was als Eisenwarenladen mit einem kleinen Angebot an Haushaltwaren begann, hat sich heute unter Gottfried und Katharina von Siebenthal zu einem veritablen Fachgeschäft auf drei Etagen entwickelt und ist heute eines der führenden Fachgeschäfte für Haushaltwaren in der Schweiz. «Übrigens sind die meisten Haushaltwarenläden aus Eisenwarengeschäften entstanden», weiss von Siebenthal. Als Eisenwaren noch das Hauptsortiment ausmachte, gab es lediglich ein kleines Angebot an Milchkrügen, Vasen und Nachthäfen. Heute können sich Einheimische wie Gstaader Gäste bei von Siebenthals eine Küche von A bis Z einrichten lassen. Kein grosses Interesse Der Geschäftsführer gibt ehrlich zu: «Ich musste das Geschäft meines Vaters 1976 übernehmen. Grosses Interesse hatte ich anfangs jedoch nicht. Früher konnte man nicht einfach davon laufen. Heute sind die Konflikte zwischen den Generationen ehrlicher.» Zu Beginn seiner Karriere habe er «praktisch Tag und Nacht» gearbeitet. Tragende Kraft im Geschäft war auch seine Schwester, die vierzehn Tage vor dem Hochzeit von Gottfried und Katharina von Siebenthal an Krebs verstarb. Heute arbeitet Gottfried von Siebenthal «nur» noch vier Tage die Woche: «Ich will ja auch noch leben und geniesse insbesondere das Reisen.»Einzig glücklich machte und macht ihn noch immer der direkte Kontakt zu seiner Kundschaft. Und diese Begegnungen war nicht in seltenen Fällen der Anfang einer tiefen Freundschaft. So ist Gottfried von Siebenthal beispielsweise seit 40 Jahren mit der englischen Schauspielerin Julie Andrews befreundet. Im seinem Büro hängt beispielsweise auch ein Bild von ihm und der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die er «zutiefst verehrt» und die auch Kundin in «von Siebenthal für Tisch & Küche» war. Auch der weltberühmten Grace Kelly war er als Zehnjähriger begegnet – sein Vater spielte anno dazumal mit deren Ehemann, dem Fürsten von Monaco, Eishockey. Zeit für die Grosskinder Zur Zeit arbeitet Gottfried von Siebenthal an der Übergabe des Geschäfts an zwei seiner Töchter, Claudia und Silvia. «In drei Jahren möchte ich das Geschäft definitiv abgeben.» Er betont, die beiden Töchter hätten den Entscheid aus freien Stücken getroffen. Ab 2012 will Gottfried von Siebenthal vor allem drei Dinge vermehrt tun: «Im Garten arbeiten, reisen und schreiben und mehr Zeit für die Grosskinder haben.»Sarah FogalQuelle: Gottfried von Siebenthal: «Gstaad – eine Reise in die Vergangenheit Vol. 1». Erhältlich in Deutsch, Französisch und Englisch (2002) sowie «Gstaad – eine Reise in die Vergangenheit Vol. 2», erhältlich in Deutsch. Erschienen 2007. Mehr Infos zum Geschäft: www.vonsiebenthal.ch>

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