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Wortgefecht um Horgner Bockengut bewegt die Gemüter

Der Gemeinderat führt nach der Ablehnung der Bockeninitiative mit der Credit Suisse keine Verhandlungen für einen Kauf des Bockenhofs.

Von Arthur Schäppi Horgen – Am Ende fehlten den Befürwortern der Bockeninitiative von Karl Gmünder und der SP gerade mal 29 Stimmen zur Mehrheit: Mit 245 zu 217 Stimmen wurde das Begehren am Donnerstag an der von 502 Stimmbürgern besuchten Gemeindeversammlung verworfen. Mit der Initiative sollte der Gemeinderat gegen seinen Willen dazu verpflichtet werden, eine Kreditvorlage für den Kauf des Bockenhofs durch die Gemeinde auszuarbeiten. Und auch dazu, vorgängig Kaufverhandlungen mit der Credit Suisse (CS) zu führen. Daraus wird nun nichts. Der knappe Abstimmungsausgang aber macht deutlich, dass mit der Initiative kaum auch gleich der Streit um die Zukunft des Bockenguts vom Tisch ist. Neu aufflammen dürfte das Tauziehen um den Gutshof spätestens dann, wenn die Stimmbürger im September mit der Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) darüber befinden, ob das Bockengebäudeensemble in die Kernzone Arn eingegliedert werden soll. Vom Kalb und vom Metzger Dem Entscheid der Gemeindeversammlung vorausgegangen war ein verbaler Schlagabtausch. Dabei hatte Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) zu Beginn der Debatte erst einmal beschwichtigende Töne angeschlagen: Wie die Initianten wolle auch der Gemeinderat Landwirtschaft und Naherholungsgebiet im Bocken erhalten, beteuerte er. Ein Kauf des Guts aber sei dafür weder nötig noch sinnvoll. Anzunehmen, dass Gemeinderat und Initianten das gleiche Ziel anvisierten, sei «naiv», konterte SP-Mann Karl Gmünder als geistiger Vater des Begehrens. Das sei «wie wenn ein Bauer sein Kalb zum Metzger bringt und meint, es habe noch ein langes Leben vor sich». Anders als dem Gemeinderat gehe es den Initianten um die Grundsatzfrage, ob man den Bockenhof als eigenständigen Bauernbetrieb sterben lassen oder eben doch noch retten wolle. «Die CS schweigt darüber, was sie mit Bocken vorhat und wirft stattdessen Nebelpetarden», warf Alt-Kantonsrat Karl Gmünder der Grossbank vor. Klar sei einzig, dass sie mit der Gebäudesanierung eine wirtschaftlich bessere Nutzung des Bockenguts anstrebe. Mit der Aufgabe des eigenständigen Hofbetriebs aber verliere Bocken als ein Wahrzeichen von Horgen «Gesicht und Seele». Die Initiative sei «die letzte Chance», dies zu verhindern.Bekämpft wurde die Initiative sodann vor allem von GLP, FDP und SVP. Nationalrat Thomas Weibel von der GLP wies darauf hin, dass die 18 Hektaren Landwirtschaftsland im kantonalen Richtplan enthalten sind und somit gar nicht überbaut, sondern weiterhin durch Bauern gepachtet und genutzt werden könnten. Auch das repräsentative Gebäudeensemble könne geschützt werden. Indem es bei der anstehenden Revision der BZO der Kernzone Arn zugeschlagen und der Gestaltungsplanpflicht unterworfen werde. Es wäre deshalb unsinnig, wenn die Gemeinde für teures Geld einen stark renovationsbedürftigen Bauernhof, für den sie keine Verwendung habe, erwerben würde. Ohnehin könne der Hof von Gesetzes wegen nur an Selbstbewirtschafter und somit gar nicht an die Gemeinde veräussert werden, sagte Thomas Weibel. «Initiative nährt Illusionen» Eine Vertreterin der SVP rief in Erinnerung, dass die CS gar nicht an einem Verkauf interessiert sei, und argumentierte in Übereinstimmung mit dem Gemeinderat, dass die Führung eines Bauernhofs nicht Aufgabe der Gemeinde sei. Darüber zu befinden, sei nicht Sache der Behörden, sondern des Volkes, hielt dem ein anderer Votant entgegen. Auch gehe es nicht an, dass der Gemeinderat «in vorauseilendem Gehorsam» sich gar nicht erst getraue, Verhandlungen mit der CS anzustreben. Bei der Verhinderung des Seeriegels auf SBB-Land am Bahnhof habe sich eindrücklich gezeigt, dass der Gemeinderat sehr wohl einen Landeigentümer zum Verkauf bewegen könne, sagte ein anderer Befürworter der Initiative. Der Erwerb des Hofs wäre nicht nur mit immensen Folgekosten verbunden, sondern er sei schlicht «unrealistisch», hielt dem FDP-Präsident Heinz Aschmann entgegen. Die Initiative würde blosse Illusionen nähren. «Büchse der Pandora öffnen» Hochbauvorstand Joggi Riedtmann (SP) betonte, dass die schützenswerten Gebäude mit der Aufnahme in die Kernzone und dank eines Gestaltungsplans in ihrer kubischen Erscheinung erhalten blieben. Wie bei andern Einzonungen gehe es auch der CS darum, «mehr zu bauen», warnte hingegen Karl Gmünder und folgerte, «damit öffnen wir die Büchse der Pandora». CS, kantonale Ämter und Gemeinderat hätten zugunsten der Bank «ein feines Netz gewoben», bemerkte Gmünder. Dies veranlasste Gemeindepräsident Theo Leuthold festzuhalten, dass die Exekutive sich stets an geltendes Recht gehalten und «nichts Unrechtsmässiges getan» habe. Die Behörde respektiere aber die Eigentumsgarantie und habe in ihrer Gesamtbeurteilung des Bockenhofs auch berücksichtigt, dass die CS mit 1000 Arbeitsplätzen eine wichtige Arbeitgeberin für Horgen sei. «Die Initiative war die letzte Chance, zu vermeiden, dass Bocken seinen Geist und seine Seele verliert.» Karl Gmünder, SP, Initiant

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