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Zeit mit Zeit vergüten: Neue Tauschwerkstatt im Kreis 4 macht es möglich

In der Tauschwerkstatt des Vereins Complino im Zeughaus 5 können Dienstleistungen mit einer Gegenleistung statt mit Geld beglichen werden.

Die Tauschwerkstatt ist eine Plattform, auf der Personen ihre Talente und Fähigkeiten anbieten können, wie Lucas Huber, Geschäftsführer des Vereins Complino, vor den Medien ausführte. Der Tausch der Dienstleistungen läuft über eine Internetplattform. Jedes Mitglied hat ein Online-Zeitkonto, auf dem Ein- und Ausgaben verbucht werden. Darauf werden auch die Angebote und Nachfragen verwaltet. Im Gegensatz zu anderen Zeittauschsystemen in der Schweiz und im Ausland bestehe beim Complino-Zeittauschsystem die Möglichkeit, auch über Zeitgutscheine Geschäfte zu tätigen, sagte Huber. In der Tauschwerkstatt ist kein Geld im Spiel. «Hier gilt nicht der Grundsatz‹Wer zahlt, befiehlt›», sagte Ursula Rüttimann von der Quartierkoordination Uto/Zürichberg, die beim Aufbau des Projektes mitgewirkt hat. Das massgebende Kapital seien Fähigkeiten und der Wille, diese zu tauschen. So kann beispielsweise jemand auf dem Zeittauschsystem eine Stunde Gartenarbeit anbieten. Ist eine Person daran interessiert, kann sie diese Stunde Gartenarbeit beziehen. Die erste Person bekommt danach die Stunde auf ihrem Konto gutgeschrieben und kann für den gleichen Gegenwert bei einem anderen Anbieter eine Dienstleistung beziehen. Ziel: Armutsbekämpfung Im Complino können aber nicht nur Dienstleistungen, sondern auch Waren getauscht werden. «Aktuell können wir zwei Dutzend gebrauchte PCs anbieten, die uns eine Firma zur Verfügung gestellt hat», erläuterte Huber. Zum Grundangebot der Tauschwerkstatt gehört das Mitte Oktober eröffnete Internetcafé im Zeughaus 5. Hier können Interessierte die Computer kostenlos nutzen. Das Internet für Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen zugänglich zu machen und mit einer Zeittauschbörse zu kombinieren, machten das Projekt zu einem effizienten Instrument der Armutsbekämpfung, sagte Max Elmiger, Direktor der Caritas Zürich. Das Hilfswerk hatte das Complino-Projekt 2009 mit dem Caritas-Preis ausgezeichnet. Derzeit sind rund 40 Leute mit 270 Stunden an der Zeittauschbörse beteiligt. «Wir stehen noch ganz am Anfang», räumte Ruedi Winkler, Präsident des Vereins Complino, ein. Die Tauschwerkstatt habe jedoch ein grosses Potenzial. «Sie macht Dinge möglich, die nicht oder zu wenig möglich sind, wenn das Geld die Grenzen setzt.» Laut Winkler gehört es zu jeder vorausschauenden Sozialpolitik, komplementäre Tauschsysteme einzuführen. Diese seien eine kostengünstige Alternative zu den vielen Förderprogrammen. Dass solche Projekte erfolgreich sein können, zeige der Talente-Tauschkreis Voralberg. Der Verein für organisierte Nachbarschaftshilfe setze heute bereits Talente im Gegenwert von über 100?000 Euro um, und in mehr als 200 Betrieben könne man mit den Talenten einkaufen. Winkler ist überzeugt, dass Zeitgutschriften auch im Bereich der Pflege und Betreuung in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen könnten. Eine Studie des Bundes sei 2008 zum Schluss gelangt, dass es sinnvoll wäre, mit Pilotprojekten mehr Erfahrungen mit Zeitgut-schriftensystemen zu sammeln.(SDA)

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