Zum Hauptinhalt springen

«Zürich ist mit einem hellblauen Auge davongekommen»

Finanzvorstand Martin Vollenwyder präsentiert eine Rechnung mit unerwartet kleinem Defizit.

Von Janine Hosp Das Defizit der Stadt Zürich schrumpft fast von Woche zu Woche: Budgetiert waren ursprünglich 217 Millionen Franken, vor 14 Tagen rechnete Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP) mit einem Minus von 85 Millionen und gestern, bei der Präsentation der Rechnung 2010, waren es noch 56 Millionen. Dies bei einem Aufwand von 7771 Millionen. Damit erwies sich das Jahr 2010 als reservefreundlicher als erwartet, die Stadt verfügte Ende Dezember noch über ein Polster von 720 Millionen. Für die Mitte-rechts-Parteien, die 2011 ein ausgeglichenes Budget fordern, ändert dies allerdings nichts. «Es ist immer noch ein Minus», sagt FDP-Fraktionspräsident Roger Tognella. Gian von Planta, Fraktionschef der GLP, meint, nicht das Defizit an sich sei seiner Partei ein Dorn im Auge, sondern die seit Jahren überproportional steigenden Ausgaben. Allerdings hat die Stadt 2010 deutlich weniger ausgegeben als 2009, und auch dieses Jahr wird sie gemäss Budget auf diesem Weg weiterfahren. Dass die Stadt das Jahr 2010 besser abschliessen kann als erwartet, hat sie unter anderem den Unternehmen zu verdanken: Sie zahlten 658 Millionen Franken Steuern, 135 Millionen mehr als budgetiert. Und dies, obwohl Zürichs beste Steuerzahlerinnen CS und UBS auch 2010 kein Geld in die Stadtkasse ablieferten. Vollenwyder rechnet damit, dass die CS 2012 wieder steuern wird – «allerdings erst in homöopathischen Dosen» – die UBS 2013. Daran ändert auch ihr Gewinn von 7,2 Milliarden nichts; die Bank profitiert laut Vollenwyder noch von Verlustvorträgen «der gröberen Sorte». Der Grund für die höheren Steuererträge sind die bessere Konjunktur, und dass der Kanton viele Unternehmen definitiv eingeschätzt hat. Der Steuerfuss verharrt bei 119 Prozent. Wohnungen bringen Steuergeld Zürich, folgerte Vollenwyder, sei mit einem hellblauen Auge durch die Finanzkrise gekommen. Die Defizite sind nie ins Bodenlose gefallen wie in den Neunzigerjahren, und von den 962 Millionen Franken Reserven (Stand 2007) hat die Stadt nur 242 Millionen konsumiert. «Ich schaue gedämpft optimistisch in die Zukunft», sagte Vollenwyder. Die Stadt sei attraktiv und werde es auch bleiben; die Nachfrage nach Wohn- und Büroraum sei ungebrochen. Weshalb aber ist Zürich so glimpflich davongekommen? «Der Stadtrat hat zur richtigen Zeit den richtigen Investitionsentscheid getroffen», sagt Vollenwyder. Mit seinem Legislaturziel «10 000 Wohnungen in 10 Jahren» habe er massgeblich dazu beigetragen, dass die Steuererträge der natürlichen Personen sukzessive steigen und teilweise die Ausfälle bei den juristischen Personen kompensieren würden. «Ich bin überrascht, wie viele Küsnachter und Zolliker heute in der Stadt Grundeigentum erwerben.» Zudem ist die Zürcher Wirtschaft laut Martin Vollenwyder besser diversifiziert, als es immer heisst. Es gibt in Zürich einige erfolgreiche Industrieunternehmen, und die Stadt hat sich zu den weltweit wichtigsten Standorten für den Kunsthandel und für Rückversicherer entwickelt. Die Stadt hat aber auch weniger ausgegeben als budgetiert, beim Personalaufwand (2432 Millionen) und beim Sachaufwand (1678 Millionen). Dieser ist gleich um 115 Millionen tiefer ausgefallen als budgetiert, etwa weil Kredite für den baulichen Unterhalt nicht ausgeschöpft worden sind. «In der Stadtverwaltung herrscht kein Novemberfieber», erklärte Vollenwyder. Auch die Zahl der Stellen ist mit 19 616 weniger stark gestiegen als budgetiert; es konnten nicht alle bewilligten Arbeitsplätze besetzt werden. Dennoch sind es 300 mehr als im Vorjahr. Der Selbstfinanzierungsgrad belief sich auf 66 Prozent (Vorjahr 99 Prozent), für die Schuldzinsen zahlte die Stadt netto 77 Millionen Franken (70?Millionen).

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch