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Zwei potenzielle Täter

Bülach – Der Vorfall ereignete sich am 27. Mai 2010. In dem Musikclub Indigo in Wallisellen kam es zu einem heftigen Streit zwischen zwei Besuchergruppen aus Frankreich und Afrika. Einer der Franzosen soll die Freundin eines Afrikaners «begrapscht» haben. Der Streit eskalierte, die vier Franzosen verliessen das Lokal. Dort ging der Streit weiter, und kurze später überfuhren zwei Franzosen vor dem Club zwei der Afrikaner. Ein Kameruner wurde lebensgefährlich, ein Nigerianer leicht verletzt. Das Bezirksgericht Bülach hatte Anfang Juni einen der beiden Autolenker wegen Fahrerflucht und mehrfacher grober Verkehrsregelverletzung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt.Gestern stand nun der zweite Lenker vor dem Gericht. Auch beim 21-jährigen Beschuldigten hatte der Staatsanwalt eine neunjährige Freiheitsstrafe gefordert. Der Clubbetreiber hatte gesagt, dass der 21-Jährige voll auf den Kameruner gefahren sei und ihn mit einem Schwenker nach rechts geradezu «gepflückt» habe. Für den Staatsanwalt war das Motiv Rache und Wut. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten Tötung. Sein Mandant sei lediglich wegen Fahrerflucht und einfacher Verkehrsregelverletzung zu bestrafen. Der Beifahrer habe absichtlich ins Steuer gegriffen und damit den Schwenker verursacht. Das Bezirksgericht verurteilte den Beschuldigten zu 14 Monaten. Es sprach ihn der Fahrerflucht schuldig und der groben Verkehrsregelverletzung. Der Beschuldigte habe erst spät in der Untersuchung vom Griff ins Steuerrad durch den Beifahrer erzählt, was überraschte. Für den Gerichtsvorsitzenden war klar: «Wir haben zwei potenzielle Täter, aber wir wissen nicht, wer für diesen scheusslichen Vorfall letztlich verantwortlich ist.» Deshalb müsse man sich nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» entscheiden. (hoh)

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