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Zwischen Schalk und Abstiegskampf

Nzuzi Toko Bundebele und Amir Abrashi füllen bei den Grasshoppers zentrale Rollen aus, die früher prominent besetzt waren. In dieser Saison müssen sie lernen, mit Druck umzugehen.

Von Thomas Schifferle, Niederhasli Amir Abrashi und Nzuzi Toko Bundebele waren einen ganzen Tag zu früh dran. Sie standen in ihrem jugendlichen Übermut schon am Mittwoch zum Gespräch bereit, obwohl der Termin erst am Donnerstag ist. Abrashi ist 21, Toko erst 20. Als sie am Donnerstag dann auf dem GC-Campus fürs Foto posieren, erinnern sie mit ihrem Schalk an die Comicfiguren Lolek und Bolek. Und sagt Toko zu Abrashi: «Du musst nach unten, du bist kleiner.» Sie sind beide 1,71 m.Was sie unterscheidet, ist ihre Herkunft. Toko wurde in Kinshasa, Kongo, geboren, kam mit fünf in die Schweiz und wuchs in der Nähe der Bäckeranlage im Kreis 4 auf. Abrashi ist das Kind von Einwanderern aus Kosovo, geboren in Bischofszell TG. Toko brach eine Lehre als Gebäudereiniger ab, Abrashi lernte Konstruktionsschlosser. «Der Abstieg wäre der Horror» Jetzt sind sie Fussballer bei den Grasshoppers. Toko kam vor acht Jahren von YF Juventus, Abrashi letzten Sommer als Leihgabe vom FC Winterthur. Toko hat inzwischen einen Vertrag bis 2014. Und Abrashi neuerdings ebenso. Sein Transfer ist definitiv geworden, weil er die geforderte Anzahl von Einsätzen erreicht hat. «Darf ich das überhaupt sagen?», fragt er den Pressechef. Der nickt. Abrashi strahlt. Er ist stolz, bei GC zu sein. «Der Abstieg wäre der Horror», sagt Abrashi, «wir sind GC!». Sie sind GC und doch im Abstiegskampf. Für die jungen Spieler wird das zur Lehre. «Wie man mit Druck umgeht», sagt Abrashi. «Wie man mit einer unerwarteten Enttäuschung fertigwird und in jedem Spiel ums Überleben kämpft», ergänzt Toko. Statt Cabanas, Vogel, Yakin Vor einem Jahr war Toko einer der Aufsteiger in der Mannschaft, die dank einer wunderbaren Rückrunde auf den 3. Platz stürmte. Alles lief für sie. Sie ging mit dem Bewusstsein auf den Platz, dass sie gewinnt. Jetzt hat sie 19 Tore weniger erzielt und 25 Punkte weniger gewonnen als damals zum gleichen Zeitpunkt. Toko redet wie sein Trainer, wenn er sagt: «Ich kann Ihnen gerne alle Spiele zeigen, von Saisonanfang bis jetzt, mit all den Chancen, die wir hatten und vergaben.» Die Chancenauswertung sei eben der hauptsächliche Unterschied zum Vorjahr. Abrashi musste bis zur 7. Runde warten, zum Spiel Ende August in Bellinzona, ehe er erstmals gemeinsam mit Toko im zentralen Mittelfeld auflaufen durfte. Nach 68 Minuten musste er Ricardo Cabanas Platz machen. Es war Cabanas’ letzter Auftritt in der Super League. Seither kämpft er darum, sich von seinen langwierigen Kniebeschwerden (Knochenödem) zu erholen.Ein Cabanas der vergangenen Saison würde diesem GC guttun. Seine Routine fehlt, sein Gespür für die Situation, sein Verständnis, Mitspieler zu führen. Wo er seinen Platz hätte, geben seither meist Toko und Abrashi als Duo ihr Bestes, manchmal hinter-, oft auch nebeneinander im zentralen Mittelfeld. Ihre Rollen sind anspruchsvoll, in früheren Jahren hatten sie ein Cheftaktiker wie Marcel Koller oder Ausnahmetalente wie Ciriaco Sforza, Johann Vogel und Murat Yakin ausgefüllt. Die Hilfe des Trainers Dem Trainer Sforza bleibt kaum eine andere Wahl, als auf Toko und Abrashi zu setzen. Er redet nicht gross darüber, er vertraut den Spielern einfach. Natürlich weiss er, dass sie noch viel lernen müssen; und weil er keinen Cabanas auf dem Platz hat, der dirigiert, und weil Vero Salatic diese Saison nicht zuletzt mit sich selbst zu tun hat, versucht er, sie von aussen gestenreich zu lenken. «Klar hören wir ihn», sagt Toko, «er sieht Situationen anders als wir, das hilft uns nur.» Und Abrashi: «Er ruft mir zu: ‹Geh nach hinten! Lauf mit! Pass auf deinen Mann auf!›» Sforza nehmen sie als konstruktiven Kritiker wahr, «er lobt, wenn wir etwas gut gemacht haben», erzählt Abrashi, «aber nur loben ist nicht gut». Toko und Abrashi sind Kämpfertypen. Zweikämpfe gewinnen, Bälle erobern, Aggressivität einbringen – das ist ihr Spiel, ihre Stärke. Dass sie sich dabei verlieren und ihre Positionen nicht mehr einhalten, wie Sforza das möchte, das kommt gelegentlich vor, wie zuletzt in der Schlussphase des Spiels in Thun. Böser Wille steckt bei ihnen nicht dahinter. Es hat mit ihrem Eifer zu tun, am liebsten zur gleichen Zeit überall zu sein.In Thun gewannen die Grasshoppers einen ganz wichtigen Match. Sie taten es nicht auf die schöne Art, die Sforza so gerne vorgibt, sie taten es mit den einfachen schnörkellosen Mitteln, die der Situation angepasst sind. Das war wie zugeschnitten auf Toko und Abrashi, es wird auch heute gefragt sein, wenn der FC Luzern auf den Letzigrund kommt. Toko stellt schon einmal klar: «Schön spielen ist Nebensache.»Toko zeigt im Gespräch eine Schüchternheit, die ihm auf dem Platz fremd ist. Abrashi ist der junge Mann, der offen ist und sein Glück zeigt, Fussballer zu sein. Am Donnerstagnachmittag ist er aufgeboten für eine Autogrammstunde im Juniorencamp des FC Russikon. Bevor er geht, füllt er eine Kleiderbestellung beim Ausrüster von GC aus. Boris Smiljanic hilft ihm kurz dabei. Dann sagt der Captain: «So, jetzt gehe ich heim – zu meinen Kindern.» Voraussichtliche Aufstellung: Bürki; Menezes, Vallori, Smiljanic, Voser; Salatic; Callà, Abrashi, Toko, Zuber; Emeghara. Zwei Gesichter der GC-Jugend: Abrashi (links) und Toko Bundebele im Campus in Niederhasli. Foto: Beat Marti

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