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Neue Zellen für schwerstkriminelle Jugendliche

Als erstes in der Schweiz verfügt das Massnahmenzentrum Uitikon über zehn Zellen, die den neuen Standards entsprechen. Sie sind für Jugendliche, die sich schwerer Straftaten schuldig gemacht haben.

Spartanische Zimmer: Blick in ein Klientenzimmer des neuen Bereichs des Massnahmenzentrum Uitikon. (13. Dezember 2012)
Spartanische Zimmer: Blick in ein Klientenzimmer des neuen Bereichs des Massnahmenzentrum Uitikon. (13. Dezember 2012)
Keystone
Es gibt aus Sicherheitsgründen nur noch einen statt drei Eingänge: Der neue Eingangsbereich. (13. Dezember 2012)
Es gibt aus Sicherheitsgründen nur noch einen statt drei Eingänge: Der neue Eingangsbereich. (13. Dezember 2012)
Keystone
Blick in die Sporthalle. (13. Dezember 2012)
Blick in die Sporthalle. (13. Dezember 2012)
Keystone
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In einer ersten Umbauetappe sind die Sicherheitsstandards im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) den heutigen Anforderungen angepasst worden. Schweizweit wird das MZU nach dem Umbau als erstes Zentrum die neuen gesetzlichen Vorgaben im Massnahmenvollzug von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfüllen, wie MZU-Direktor Michael Rubertus heute Donnerstag vor den Medien in Uitikon sagte.

In Uitikon werden jugendliche Straftäter mit schwersten Delikten wie Tötung oder schweren Raubüberfällen untergebracht. In über 90 Prozent ist gemäss Rubertus Gewalt im Spiel.

Die geschlossene Abteilung in Uitikon war seit den Siebzigerjahren nicht mehr saniert worden. In der ersten von drei Bauetappen wurde unter anderem die Sicherheitsanlage an die heutigen Anforderungen angepasst. Ein Erweiterungsbau verbindet neu die offene und die geschlossene Abteilung.

Begegnungszimmer für «emotionale Nähe»

Das MZU sehe nun viel mehr wie ein Gefängnis aus als vorher, sagte Rubertus. Ganz bewusst wurden die Farben Grau und Weiss gewählt: «Das MZU ist kein Jugendheim.» An erster Stelle stehe die Sicherheit, sagte Rubertus. So gibt es etwa nur noch einen Haupteingang. Bisher konnte man von drei Orten ins Gebäude. Beim Haupteingang ist auch die Loge mit den Überwachungsbildschirmen untergebracht. Weit über 100 Kameras sind im Gebäude und über das Gelände verteilt.

Neu gibt es einen gedeckten und gesicherten Sporthof. Dies ist auch der Ort, wo die Klienten – wie die Straftäter intern bezeichnet werden – im Polizeiauto ankommen. Bisher sei das MZU nicht darauf eingerichtet gewesen, dass die Straftäter hier mehrere Jahre verbringen würden, sagte Rubertus. Dies hatte verschiedene Anpassungen zur Folge, so mussten etwa Besucherräume eingerichtet werden.

Spartanische Zimmer

Neben Besucherzimmern mit und ohne Trennglas gibt es ein sogenanntes Begegnungszimmer mit Bett, Dusche und WC. Auch junge Menschen hätten ein Recht auf emotionale Nähe, sagte Rubertus.

Die Zellen selber sind alle gleich eingerichtet: Blick auf den Hof, spartanisch eingerichtet, 11,2 Quadratmeter gross. Auch hier gilt: Das MZU ist nicht der Ort für Luxus. Die Motivation soll relativ gross sein, wieder hinauszukommen. Noch spartanischer eingerichtet sind die Disziplinarzellen – da gibt es gar keine Schreinerarbeiten mehr, alles ist betoniert und vandalensicher. Das Tageslicht kommt durch einen Lichtschacht in die Disziplinarzelle.

Dritte Etappe 2014 fertig

Noch sind die zehn neuen Zellen leer. Am Freitagmorgen kommen dann die zehn jungen Männer zurück, die für zwei Wochen in Gefängnisse umquartiert wurden. Je zehn weitere Plätze folgen in der zweiten und dritten Etappe. Nach Abschluss des Umbaus im Herbst 2014 werden in der geschlossenen Abteilung des Zentrums 30 Plätze in drei getrennt geführten Gruppen zur Verfügung stehen. Zusätzlich bietet das MZU 34 Plätze für den offenen und halboffenen Vollzug.

Im Zentrum wird nach psychologischen, pädagogischen und arbeitsagogischen Massstäben gearbeitet. Viele junge Erwachsene absolvieren eine Ausbildung und sollen damit bei der Rückkehr in die Gesellschaft bessere Startmöglichkeiten haben. Wichtig ist auch die Auseinandersetzung mit sich selber, wie Rubertus betonte. Die jungen Erwachsenen sollen akzeptieren, dass sie Täter sind und lernen, in einer ähnlichen Situation anders reagieren.

Das MZU ist eine von Bund und Kanton anerkannte öffentlich-rechtliche Einrichtung des Straf- und Massnahmenvollzugs sowie eine Institution des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats. Es nimmt junge Straftäter aus allen Kantonen auf.

Planungsdebakel

Der Um- und Ausbau des MZU hätte ursprünglich bereits 2012 fertig sein sollen. Wegen Fehlplanung kündigte die Baudirektion im Sommer 2012 aber den Generalplanerauftrag und verhängte im November 2010 einen Baustopp.

Dazu kam, dass der Umbau fast 10 Millionen Franken teurer wurde. Im Oktober 2011 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Insgesamt wird das Projekt 39 Millionen Franken kosten.

Nach vielen Umwegen sei man auf geradem Weg zum Ziel, sagte Rubertus. Im Rückblick hätten sich diese Umwege gelohnt. So wurde das Projekt noch einmal überarbeitet. Dadurch entstanden vier zusätzliche Plätze.

SDA/rub

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