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«Kaltblütig»: Mutmasslicher Mörder von Rapperswil soll verwahrt werden

Die Anklage fordert für den mutmasslichen Todesschützen 18 Jahre Gefängnis und die anschliessende Verwahrung. Der 57-Jährige hatte einem Hauswart aufgelauert und ihm in den Kopf geschossen.

Dem mutmasslichen Mörder drohen lange Jahre im Gefängnis: Das Kantonsgericht St. Gallen.
Dem mutmasslichen Mörder drohen lange Jahre im Gefängnis: Das Kantonsgericht St. Gallen.
Kantonsgericht St. Gallen

Der 58-jährige Angeklagte trat heute gepflegt vor das Kantonsgericht in St. Gallen. Ganz anders sah er aus, als er Ende März 2011 den Hauswart des Swisscom-Gebäudes in Rapperswil-Jona «heimtückisch und kaltblütig erschossen hat», wie Staatsanwältin Ursula Strauss ihm heute Mittwoch vorwirft. Bis zur Tat hatte der Schweizer 16 Monate in einem Lagerraum gelebt. Dort hauste er unter prekären Zuständen.

Seit heute Mittwoch muss er sich wegen Mordes am damals 53-Jährigen verantworten. Der Haustechniker wurde am 25. März vergangenen Jahres tot an seinem Arbeitsplatz aufgefunden. Der Beschuldigte soll dem Opfer am helllichten Tag aus weniger als eineinhalb Metern Distanz mit einer Schrotflinte in den Kopf geschossen haben. Die Verletzungen töteten den Abwart auf der Stelle.

Dafür fordert Strauss 18 Jahre Gefängnis mit anschliessender Verwahrung. Diese Begründet sie mit der Wiederholungsgefahr. Belastend für den mutmasslichen Mörder sind Schmauch- und Blutspuren, welche die Ermittler an seinem Körper und seinen Kleidern festgestellt hatten. Die Waffe fanden sie nie, jedoch eine Anleitung für eine Pumpaction der Marke Remington.

Der Angeklagte hat eine zwielichtige Biografie. Wie an der Gerichtsverhandlung bekannt wurde, schmückte er sich mit einem Doktortitel aus Oxford, der den Namen nicht verdiente. In den 1990er-Jahren wurde er in Basel für Betrug und Urkundenfälschung zu vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Er hatte drei Millionen Franken ertrogen. Damals wurde das Geld nie gefunden. Die Staatsanwältin vermutet, dass er es verschwinden liess und lange Jahre davon lebte.

Zwei Jahre untergetaucht

Bis im Mai 2009 hatte der Mann im Zürcher Seefeld gewohnt. Nachdem er dort Mietschulden in der Höhe von über 10'000 Franken hinterliess, tauchte er unter. 2010 gaben seine Eltern eine Vermisstmeldung bei der Polizei auf. Im Frühling 2011, einen Tag vor dem Mord, der dem Schweizer angelastet wird, meldete er sich wieder bei seinen Eltern.

Unmittelbar nach der Tat fahndete die St. Galler Kantonspolizei nach einem grossen Mann mit langem Mantel, der die Haare zu einem Rossschwanz zusammengebunden hatte. Einen Tag nach dem Mord wurde der mutmassliche Täter in der Wohnung seiner Eltern im Kanton Baselland verhaftet.

Zornig auf den Hauswart

Die Mordanklage sei aufgrund einer belastenden Indizienkette erhoben worden, sagte die Staatsanwältin Ursula Strauss im Dezember 2011 gegenüber Tages-Anzeiger. Der Beschuldigte hatte kein Geständnis abgelegt. Fakt ist: Der mutmassliche Täter war Mieter einer Einstellhalle im Swisscom-Gebäude. Die Liegenschaftsverwaltung hatte ihm aber gekündigt, weil er die Miete nicht mehr bezahlt hatte.

Darüber war er offenbar mit dem Haustechniker in Streit geraten. Die beiden hatten schon früher Auseinandersetzungen, weil der mutmassliche Täter des Öfteren seinen Jeep Cherokee unerlaubterweise auf dem Lieferantenparkplatz abgestellt hatte.

Die Verhandlung vor dem Kantonsgericht in St. Gallen dauert voraussichtlich bis morgen. Dann ist auch mit dem Urteil zu rechnen. Tagesanzeiger.ch hält Sie auf dem Laufenden.

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