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Opferfamilie verzichtet auf Klage

Die Eltern des tödlich verunglückten Seilbahnopfers planen keine juristischen Schritte gegen die Jugendorganisation Cevi oder die verantwortlichen Lagerleiter.

Hasen am Unglücksort: Gut erkennbar die Schneise (Bildmitte), in der sich die Seilbahn befand.
Hasen am Unglücksort: Gut erkennbar die Schneise (Bildmitte), in der sich die Seilbahn befand.
Stefan Hohler

Noch ist weiterhin unklar, wie es zum tödlichen Seilbahnunfall im Pfingstlager in Oetwil gekommen ist. Laut Kantonspolizei sind Untersuchungen und Befragungen im Gange. Sie können durchaus ein paar Wochen dauern. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft. Beim Unglück ist ein achtjähriges Mädchen aus Unterengstringen ungebremst in einen Baum geprallt und verstorben.

Wie der Anwalt der Opferfamilie sagt, ist für das Kind keine öffentliche Trauerfeier vorgesehen. Die Familie erwäge derzeit keine Klage oder andere juristische Schritte gegen die Cevi oder die Lagerleiter und Seilbahnbauer. Nach dem Unfall hatte die Cevi Schweiz beschlossen, vorderhand auf den Bau solcher Seilbahnen zu verzichten. Bei der Pfadi Züri ist ein Moratorium kein Thema. Man vertraue auf die Ausbildung und das Verantwortungsbewusstsein der Leiter, so ein Sprecher. Beim Cevi-Lager in Oetwil waren laut dem Bundesamt für Sport drei von Jugend+Sport ausgebildete Leiter dabei.

«Das kann ich nicht begreifen»

Spaziergänger am Unglücksort unter dem Altberg sind von der aussergewöhnlichen Steilheit des Waldstücks überrascht. «Abenteuer hin oder her – dass es Cevi-Leitern in den Sinn kommt, hier eine Seilbahn zu bauen, das kann ich nicht begreifen», wundert sich ein Rentner, der in der Nähe wohnt. Schon am Pfingstsonntag kurz nach dem Unglück ist er hier vorbeigegangen. Der Tod des achtjährigen Mädchens lässt ihn nicht los. Gestern nun kehrt der 87-Jährige zurück zur Lichtung – mit dem Höhenmeter in der Hand. Der ehemalige Alpinist will es genau wissen, steigt auf allen vieren die etwa 100 Meter lange Schneise hoch. Und meldet hinterher: «30 Höhenmeter vom Start bis zum Ziel, das ist ja höher als ein Kirchturm. Stellen Sie sich diese Fallgeschwindigkeit vor!» Am Fusse des Baums, an dem der Kopf des Kindes aufschlug, erinnern Kerzen, zwei Stoffhasen sowie blaue Windrädchen an das tragische Unglück.

Ein Ehepaar legt einen Blumenstock auf den Laubboden. Es glaubte zunächst, eine Klassenkameradin ihres achtjährigen Sohnes habe hier das Leben verloren – «Riccarda (8)», wie der «Blick» irrtümlicherweise berichtete. Jetzt passiert eine Frau mit Hund die Unfallstelle. Schaut den stotzigen Hang hinauf, staunt und sagt: «Da würde ich mich nicht einmal zu Fuss hinunterwagen.»

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