Zum Hauptinhalt springen

Ehemann von Vergewaltigungsvorwürfen freigesprochen

In einem Fall von häuslicher Gewalt hielt das Bezirksgericht die schwersten Vorwürfe für nicht erwiesen. Es gab zu viele Widersprüche.

Das Bezirksgericht Zürich hat einen 37-jährigen Tunesier am Mittwochabend vom Vorwurf freigesprochen, seine Ehefrau über Jahre hinweg vergewaltigt und sexuell genötigt zu haben. Dass er sie jahrelang schlug und bedrohte, hielt das Gericht aber für ebenso erwiesen, wie seine Betrügereien. Dafür verurteilte es ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Nackte Frau gefesselt

Der Ehemann hatte - von einer Ausnahme abgesehen - überhaupt bestritten, seine Frau misshandelt zu haben. Die Frau habe sich die Verletzungen selber beigebracht, was ein rechtsmedizinisches Gutachten allerdings widerlegte.

Zum Teil fesselte er die nackte Frau an Händen und Füssen und liess sie während Stunden in diesem Zustand liegen. In einem anderen Fall fuhr er mit ihr in den Wald und bedrohte sie mit einem Messer. Oder er trat und schlug sie mit einem Kleiderbügel und verlangte von ihr, sie solle gestehen, dass sie mit anderen Männer sexuelle Kontakte unterhalte. In diesen Fällen glaubte das Gericht den «detaillierten und lebensnahen Schilderungen» der Ehefrau.

Laut Anklage ging es aber um mehr - nämlich um mehrfache Vergewaltigung und mehrfache sexuelle Nötigung. Die Delikte sollen in den zurückliegenden vier Jahren geschehen sein. Durchschnittlich drei- bis viermal pro Monat habe er seine Frau mit Schlägen gefügig gemacht und vergewaltigt. Das Problem dabei: Es gab dafür keine Beweise und keine Zeugen.

«Ein gewiefter, wortgewaltiger Manipulator»

Für die Staatsanwältin war trotz diverser Ungenauigkeiten und auch Ungereimtheiten in den Aussagen des Opfers klar, dass der Mann, «ein gewiefter, wortgewaltiger Manipulator», schwere Schuld auf sich geladen hat. «Er hat ihr das Leben zur Hölle gemacht.» Er habe mehrfach gelogen, nur zugegeben, was nicht mehr zu bestreiten war. Wer bei strafrechtlichen Bagatellen lüge, tue dies auch bei schwerer wiegenden Vorwürfen.

Aus der Optik des Beschuldigten und seines Verteidigers sah die Sache naturgemäss vollständig anders aus. Seine Noch-Ehefrau beschuldige ihn, weil sie sich an ihm rächen wolle. Ob diese Behauptung stimmt, muss das Gericht erst noch entscheiden. Grund zur Rache hätte es durchaus gegeben.

Der Angeklagte war mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet

Der 36-Jährige war gemäss eigenen Angaben mit einer anderen Frau glücklich verheiratet. Die Ehe blieb aber kinderlos. So schwängerte er dreimal seine jetzige Ehefrau. Für eine kurze Weile lebten er und die beiden Frauen unter dem gleichen Dach. Doch damit nicht genug. In Tunesien «heiratete» er eine weitere Frau, von der er sich sechs Monate später zwar auf Druck seiner anderen Ehefrau wieder scheiden liess. Doch dieses Nebenverhältnis soll das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Der Verteidiger stellte sich auf den Standpunkt, dass es zu den Vorwürfen gar nicht gekommen wäre, wenn der Mann ihr treu geblieben wäre und zur Familie geschaut hätte. Im Übrigen seien ihre Geschichten «unglaubhaft». Sie habe sie auch nicht von Anfang an, sondern erst nach und nach erzählt. Dabei habe sie die Vorwürfe immer mehr gesteigert.

Was die Staatsanwältin angedeutet hatte, erkannte auch das Gericht: In den Vergewaltigungs- und Nötigungsvorwürfen der Frau gebe es «eklatante Widersprüche». Zudem seien ihre Aussagen «vage und undifferenziert». Seltsam mutete es das Gericht vor allem auch an, dass die Frau - die angeblich über Jahre missbraucht wurde - ihrem Mann MMS-Nachrichten mit eindeutig sexuellem Inhalt schickte.

«Beträchtliche kriminelle Energie»

Für die Höhe der Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten waren die Betrügereien des Mannes von besonderer Bedeutung, die er «mit beträchtlicher krimineller Energie» durchgezogen habe. Der 37-Jährige, stets in grosser finanzieller Bedrängnis, hatte beispielsweise einen Lohnausweis gefälscht, um einen Kredit von 85'000 Franken zu erhalten. Damit kaufte er einen gebrauchten Mercedes-Benz S 350. Damit wollte er einen Limousinenservice aufziehen.

Als dies nicht den gewünschten Erfolg hatte, verkaufte er das Auto in Tunesien für 25'000 Franken. Kurze Zeit später meldete er bei der Polizei den Diebstahl der Handtasche seiner Frau. Darin soll sich der Zweitschlüssel fürs Fahrzeug befunden haben. Einige Tage später meldete er den Diebstahl des Autos und beantragte bei der Versicherung die Auszahlung von 65'000 Franken. Dazu kam es nicht, nachdem die Versicherung eigene Abklärungen vorgenommen hatte.

Auch noch zu Unrecht Sozialhilfe bezogen

Dass er während dieser Zeit Sozialhilfe im Umfang von fast 70'000 Franken erhielt, der Behörde aber gleichzeitig verschwieg, dass er als selbstständiger Pächter und Geschäftsführer einer Firma auch ein paar Einnahmen hatte, trug ihm auch noch eine Anklage und eine Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betrugs ein.

Vom Vorwurf des Betrugs gegenüber der Kredit gebenden Bank wurde er allerdings freigesprochen. Die Lohnausweise seien einfach gefälscht gewesen und hätten mit den Anträgen nicht übereingestimmt, sodass die Bank hätte hellhörig werden müssen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch