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Teil 16: Versöhnung mit der Verführerin

Der Sommerroman im Tages-Anzeiger. Folge 16: Wie Franco, Sarah und Fabia ihrer misslichen Situation entfliehen wollen.

Fabia wollte rasch in ihre Wohnung gehen, um das Gepäck zu holen. Der Mafioso würde wohl kaum dort sein.
Fabia wollte rasch in ihre Wohnung gehen, um das Gepäck zu holen. Der Mafioso würde wohl kaum dort sein.
Nicola Pitaro

Was bisher geschah: Sarah hat Kokain aus Francos Urne gestohlen, um ausstehende Schulden bei ihrem Dealer zu begleichen. Es kam zum Streit.

Fabia war wütend. Sarah hatte sich ihren Cousin geschnappt, ihn verführt und ihm dann erst noch Kokain aus der Urne geklaut. Doch statt sich schlecht zu fühlen, machte sie jetzt auf diese jämmerliche Mitleidstour. Heulte und schluchzte. Und Franco fiel erst noch darauf rein. Er machte Sarah keine Vorwürfe, sondern tröstete sie, streichelte ihr übers Haar und, verstohlen, auch übers Décolleté. Fabia hatte es genau gesehen. Dass Sarah immer ihre Reize einsetzte und damit auch Erfolg hatte – davon hatte Fabia einfach genug.

Schon in der Primarschule war Sarah die Verführerin gewesen. Hatte die Hausaufgaben immer «vergessen», sich aber so schüchtern und schuldbewusst gegeben und dabei so nett posiert, dass ihr jeder Lehrer verzieh. Die Jungs standen alle auf sie, sie lachte sich einen nach dem anderen an, bis sie sich langweilte und ihn wieder sitzen liess. Übel nahm ihr das keiner. Dazu war ihr Mund zu rot, ihr Lächeln zu süss, ihr Décolleté zu prall. Damals war Fabia noch ziemlich mollig gewesen, und kein Junge hatte sich für sie interessiert.

«Ich weiss genau, was du denkst», sagte Sarah zu Fabia. «Ach ja?» «Du findest mich die letzte Schlampe, und im Moment fühle ich mich auch wirklich so.» «Schön, dann sind wir uns ja einig.» Franco war der Streit der beiden Frauen unangenehm. Er versuchte, im Sofa zu versinken. Warum Frauen auch immer so rumzicken mussten? Auch Donatella, seine Ex, war so streng gewesen wie Fabia. Alle anderen Frauen waren in ihren Augen Prostituierte, alle Männer Pantoffelhelden. Nie konnte ihr Franco etwas recht machen. Er war zu wenig aufmerksam und doch zu lieb, zu eitel und doch zu unsportlich, zu machoid und doch zu lasch. Jetzt hatte sie sich ausgerechnet auf einen üblen CamorraTypen eingelassen, aber gut, das war ihre Sache. Mittlerweile war er ja selbst froh, sie losgeworden zu sein. Immer dieser Stress!

Ein Blick auf Fabia und Sarah riss Franco aus seinen Gedanken. Jetzt lagen sich die beiden in den Armen und schluchzten. Donne – Dio mio! Er hatte wieder einmal eine entscheidende Wende im Gespräch verpasst, was ihn aber nicht weiter kümmerte. Immerhin hatten sie das Zickenbeil begraben.

«Du denkst jetzt sicher, wir spinnen», sagte Fabia.

Franco schüttelte verlegen den Kopf. Sarah lächelte ihn an, warf Fabia einen entschuldigenden Blick zu und sagte: «Ich habe eine Idee.» Die Idee klang gar nicht schlecht. Abzüglich des Kokains, das Sarah aus der Urne «geborgt» hatte, wie sie es nannte, war die Urne nur noch zu einem Drittel gefüllt. Sie würde einen hässlichen Goldring von einem üblen Ex verkaufen – oder auch zwei hässliche Goldringe von zwei üblen Ex-Freunden. Zusammen mit dem Geld, das in einer Woche auf ihrem Konto landen werde, könne sie dann alles bezahlen. Jetzt müsste sie bloss noch ihren Dealer überreden, ihr einen Kokain-Vorschuss zu geben. Das habe er – mit kleineren Mengen – immer wieder gemacht.

«Dem gefällt es, mich in seiner Schuld zu wissen, der braucht Macht-Games.»

Franco war die Sache nicht geheuer, aber er sah keine andere Lösung.

«Gut, aber ich begleite dich zum Dealer, du gehst da nicht allein hin.»

Er sagte das mit mehr Überzeugung, als er fühlte, aber er fand, es klang gut. Sarah war einverstanden, vorausgesetzt, er würde ihr die Verhandlung überlassen und den Dealer nicht anpöbeln. Franco musste innerlich grinsen: Er war der Letzte, der noch mehr Probleme suchte. Endlich war man sich einig: Sarah und Franco machten sich auf zum Dealer, während Fabia in ihre Wohnung gehen würde, um ihr Gepäck zu holen. Denn morgen flog sie nach Amsterdam. Der Camorra-Scherge würde schon nicht die ganze Zeit Wache halten.

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