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Einbruch bei den JungfraubahnenZwei Drittel weniger Gäste auf dem Jungfraujoch – aber…

Die Besucherzahlen bei den Jungfraubahnen brachen 2020 ein. Doch Direktor Urs Kessler zeigt sich zuversichtlich: «2021 ist ein Übergangsjahr, und 2022 dürfte die Normalität zurückkehren.»

Mit dem neuen Eiger Express wurde das V-Bahn-Projekt komplett. Die 3S-Bahn ist seit dem 5. Dezember in Betrieb.
Mit dem neuen Eiger Express wurde das V-Bahn-Projekt komplett. Die 3S-Bahn ist seit dem 5. Dezember in Betrieb.
Foto: PD

Jungfraubahnen-Direktor Urs Kessler sieht durchaus Chancen für die mittelbare Zukunft: «Das Jahr 2020 war ein Jahr zum Vergessen. 2021 wird ein Übergangsjahr werden, in welchem das Fortschreiten der Covid-Impfungen und ein schrittweises Hochfahren der internationalen Fluggesellschaften einen markant positiven Einfluss auf die weltweite Geschäftstätigkeit haben werden.»

Kessler rechnet «mit einem Aufschwung in diesem Jahr, so dass die Normalität im Jahr 2022 wieder zurück sein wird.» Unterdessen werde man den Betrieb laufend optimieren und der veränderten Kundennachfrage anpassen. «Teile unseres Personals sind weiterhin in Kurzarbeit», so Kessler.

Wie in den 1980ern

Im Jahr 2020 reisten 362'800 Besucherinnen und Besucher auf das Jungfraujoch. «Das sind 65,6 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019 und ähnlich viele wie letztmals in den 1980er Jahren», schreibt die Jungfraubahn Holding AG in einer Mitteilung.

Das Jahr 2020 sei zwar zunächst gut angelaufen: «Die Jungfraubahn konnte den besten Januar in ihrer Geschichte verzeichnen.» Mit der Ausbreitung von Covid-19 seien die Gästezahlen aber bereits im Februar zurückgegangen. Von Mitte März bis am 6. Juni standen die Bahnen aufgrund des Lockdowns still.

«Das Unternehmen ist finanziell solid aufgestellt.»

Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen

«Dank des schönen Wetters und der positiven Wirkung der verschiedenen Promotionen in der Schweiz» sind nach Angaben des Unternehmens im Juli und August 153'000 Personen aufs Jungfraujoch gereist. «Die Herbstferien fielen dann dem meist schlechten Wetter zum Opfer, während im November das schöne Herbstwetter zu erfreulichen Gästezahlen führte.»

Ausländische Gäste fehlen

Insgesamt würden die Zahlen zeigen, dass das Fehlen der ausländischen Gäste nicht durch die Schweizerinnen und Schweizer kompensiert werden könne, schreibt das Unternehmen weiter. Die Veränderung der Märkte habe zu grossen Schwankungen bei den Besucherzahlen geführt, so dass der Einsatz des Rollmaterials und des Personals erstmals kurzfristig aufgrund der Wetterverhältnisse geplant worden sei.

Die neue Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) ist der Schenkel, welcher den «V» der V-Bahn komplett macht.
Die neue Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) ist der Schenkel, welcher den «V» der V-Bahn komplett macht.
Foto: Bruno Petroni

Auch im Segment «Erlebnisberge» verzeichnete die Firma einen Rückgang der Gästezahlen: Bei der Firstbahn belief sich das Minus auf 42,2 Prozent, bei der Mürrenbahn auf 50,3 Prozent und bei der Harderbahn auf 57,2 Prozent.

Die aktuelle Wintersportsaison startete am 5. Dezember mit der Eröffnung des gesamten V-Bahn-Projekts, inklusive Eiger Express, Terminal und Parkhaus. «Die neuen Anlagen und Bauten stiessen dabei auf Interesse und zahlreiche Gäste wollten die erste Fahrt in der modernen 3S-Bahn Eiger Express noch im 2020 absolvieren», steht im Communiqué.

«Wir erhalten ständig Feedbacks von Gästen und Reiseoperatornen, die es kaum erwarten können, unsere neuen Anlagen mit eigenen Augen zu sehen.»

Urs Kessler

Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit, ob die Skigebiete ihren Betrieb wegen der Pandemie überhaupt aufnehmen, beziehungsweise weiterführen dürfen, sei auch der Vorverkauf des Top4-Skipasses (Partnerangebot von Adelboden-Lenk, Gstaad, Jungfrau Ski Region und Meiringen-Hasliberg) tiefer ausgefallen als in den vorangegangenen Jahren: 28’400 Top4-Skipässe wurden bis am 24. Dezember 2020 abgesetzt. 2019 waren es 42'200 gewesen.

Vom Saisonstart bis zum 31. Dezember 2020 registrierte die Jungfrau Ski Region 153'700 «Skier Visits» und verzeichnete gegenüber der gleichen Periode vor einem Jahr einen Rückgang von 7 Prozent. Die Jungfrau Ski Region ist ein Kooperationsprodukt, an welchem die Jungfraubahn-Gruppe mit über 60 Prozent beteiligt ist.

«Grossartige Resonanz»

Wie lange könnten die Jungfraubahnen den Ausnahmezustand verkraften? Urs Kessler: «Das Unternehmen ist finanziell solid aufgestellt. So lange wir einen positiven EBITDA haben, könnten wir die Krise während mehrerer Jahre überstehen. Noch sind die effektiven Folgen der Pandemie nicht genau abschätzen, aber wir rechnen für das vergangene Jahr sicher schon mal mit einem positiven EBITDA.»

EBITDA steht für «Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation» und weist den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus. Durch die Ertragskennzahl EBITDA kann die operative Ertragskraft eines Unternehmens international verglichen werden.

Spätestens mit der Rückkehr zur Normalität glaubt Urs Kessler auch an die Rückkehr der internationalen Touristen, «denn die weltweite Resonanz auf die Eröffnung der V-Bahn ist grossartig – wir erhalten ständig Feedbacks von Gästen und Reiseoperatoren, die es kaum erwarten können, unsere neuen Anlagen mit eigenen Augen zu sehen».

Der neu eröffnete Eiger Express über dem Hochnebel im abendlichen Sonnenlicht.
Der neu eröffnete Eiger Express über dem Hochnebel im abendlichen Sonnenlicht.
Foto: Bruno Petroni
5 Kommentare
    Stefan Bühler

    Die viel ernstzunehmendere Krise wird erst kommen: mit der Klimaeerwärmung wird den Jungfraubahnen buchstäblich die eigene Existenzrundlage wegschmelzen. Da noch auf Besucher zu setzen, welche nur mit dem Flugzeug anreisen, ist einfach nur dumm.