Zwischen Paradies und Moloch

Philippinen

Manila, die Provinz Palawan und die Insel Boracay gehören zu den Topspots der Philippinen. Ein Augenschein.

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Raphael Hadorn

Im Airbus A380, dem grössten zivilen Verkehrsflugzeug der Welt, ist bereits die Anreise von Zürich nach Singapur ein besonderes Erlebnis. Wie auch der – zum Glück klimatisierte – Flughafen. Ein Stopover in der Millionenmetropole lohnt sich. Allein die atemberaubende Skyline ist einen Besuch wert. Dreieinhalb Flugstunden nordöstlich von Singapur liegt schliesslich Manila, die Hauptstadt der Philippinen.

Millionenmetropole Manila

Manila – die Stadt, die niemals schläft – liegt auf der Hauptinsel Luzon. Rund 15 Millionen Menschen leben hier, die Agglomeration mit eingerechnet. Gefühlt fast ebenso viele Fahrzeuge verstopfen täglich die Strassen. Die wichtigste Verkehrsregel: Vortritt hat, wer zuerst fährt. Es ist heiss, schwül, die Luftfeuchtigkeit unangenehm hoch. Klimatisierte Gebäude sind begehrt.

Etwa die «Mall of Asia». In einem der grössten Einkaufszentren Asiens sind tagsüber erstaunlich viele Einheimische anzutreffen. «Meistens nicht nur zum Shoppen, sondern vor allem um der Hitze zu entgehen», erklärt Gerry, unser Tourguide in Manila. Zücken die sehr westlich ausgerichteten Filipinos dann doch das Portemonnaie, kaufen sie sich hauptsächlich Produkte amerikanischer Labels. Sogar das typisch philippinische Verkehrsmittel – der Jeepney – hat eine amerikanische Vorgeschichte. Es handelt sich dabei nämlich ursprünglich um zu Kleinbussen umgebaute Jeeps, welche die amerikanischen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgelassen hatten.

Inzwischen werden sie auf den Philippinen nachgebaut. Haltestellen gibts keine. Wer einsteigen will, hebt am Strassenrand die Hand, wenn einer der Zehntausenden Jeepneys vorbeifährt. Die ersten vier Kilometer kosten umgerechnet fünfzehn Rappen, jeder weitere Kilometer zwei Rappen.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Eine Entdeckungsfahrt durch die Stadt – am besten ausgestattet mit Fächer und Erfrischungstüchern – macht eines schnell klar: Manila ist eine Stadt der Extreme. Noble, eingezäunte Villenviertel beherbergen eigene Schulen, Kirchen und Einkaufszentren. Gleichzeitig findet man in Manila den grössten Slum Südostasiens.

Und auch die grösste amerikanische Grabstätte des Zweiten Weltkriegs. In Fort Bonifacio liegen 17206 Soldaten begraben, und auf einer grossen Kalksteintafel stehen die Namen von 36'285 immer noch Vermissten. Ein Ort der Ruhe inmitten einer Millionenmetropole, die wächst und wächst – und viel zu erzählen hat. Nicht nur vom Zweiten Weltkrieg, auch von der spanischen Kolonialzeit, der britischen Invasion oder der Diktatur unter Marcos.

Auch eine Chinatown darf nicht fehlen und ein Nachtleben, das seinesgleichen sucht. «Oft lernt man die Stadt erst beim zweiten oder dritten Besuch lieben, so viel hat sie zu bieten», steht in den Reiseunterlagen. Wie wahr, findet der Tourist aus der beschaulichen Schweiz

Palawan: Einsame Strände

Für die meisten Touristen ist Manila nur ein Zwischenstopp. Meistens führt die Reise weiter auf eine der 7107 Inseln, von denen nur 2000 bewohnt sind. Zum Beispiel eine Flugstunde weiter in die Provinz Palawan, weit weg vom Lärm der Grossstadt. Schöne Buchten, traumhafte, einsame Strände – ein Paradies für Taucher und Surfer. Das gleiche Land, eine andere Welt. Noch gelten die Inseln der Provinz als Geheimtipp, auch wenn der Tourismus eher schnell als langsam Einzug hält.

Ein Teufelskreis für die Einheimischen. «Der Tourismus ist gut für unser Land, weil er Arbeitsplätze schafft – aber auch schlecht, weil unberührte Orte verloren gehen.» Das sagt Arturo Cunanan. Er wurde auf der kleinen Insel Culion geboren und ist heute ein international gefragter Lepraexperte. Die Krankheit ist heute heilbar. Noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts jedoch wurden Infizierte von ihren Familien getrennt, isoliert, nach Culion verfrachtet – und vergessen.

Das war einmal. Heute ist Culion bekannt für seine intakten Riffe und Korallen. Ein Tagesausflug mit dem Katamaran führt vorbei an bewohnten und unbewohnten Inseln, weissen Sandstränden, ermöglicht ein Bad im Kayangan Lake, einem der unberührtesten Seen der Philippinen. Übernachtet wird auf Bulalacao Island. Die kleine Insel beherbergt «lediglich» ein Luxusresort – inklusive Wellnessbereich. Entspannung pur.

Partyinsel Boracay

Auch Boracay – von Manila via Caticlan (eine Stunde Flugzeit) und anschliessender Bootsfahrt erreichbar – war einst eine einsame Insel, abseits der Zivilisation. «Früher war es eine Herkulesaufgabe, ein kaltes Bier aufzutreiben», erzählt die Partnerin von Rene Buob. Als der Aargauer auf seiner Weltreise einst haltmachte in Boracay, gab es dort noch keine Elektrizität. Buob ist geblieben, hat eine Tauchschule eröffnet und ist heute Direktor des Resorts Pinjalo Villas & Calypso. Eines von über 200 Hotels auf der nur 10 Quadratkilometer grossen Insel. Die jährlich 1,2 Millionen Besucher, vor allem Junge, machen Boracay zur Partyinsel im Südchinesischen Meer.

Drei Destinationen, drei Welten. Eines aber haben sämtliche Spots gemeinsam. Die Gastfreundschaft der Filipinos. Obwohl ein Drittel der über 100 Millionen unter der Armutsgrenze lebt und weniger als sechs Franken pro Tag verdient, sind sie punkto Herzlichkeit den «reichen» Schweizern einen Schritt voraus.

Die Reise wurde ermöglicht durch Tourasia und Singapore Airlines.

Berner Zeitung

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