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Berner LiteraturZwischen Satire und Alltag

Die Bernerin Stefanie Grob hat ihr neues Buch «Budäässä» veröffentlicht. Zurzeit kämpft sie mit Homeschooling und einbrechenden Verkaufszahlen.

Die Berner Autorin Stefanie Grob ist ist eine feste Grösse innerhalb der Spoken-Word-Szene. Jetzt hat sie ein neues Buch «Budäässä» veröffentlicht.
Die Berner Autorin Stefanie Grob ist ist eine feste Grösse innerhalb der Spoken-Word-Szene. Jetzt hat sie ein neues Buch «Budäässä» veröffentlicht.
Andrea Zahler

«Ich reime sehr gerne. Und gerne auch schlecht», sagt Stefanie Grob, deren ausgewählte Gedichte, Prosatexte und Satiren in der neuen Sammlung «Budäässä» enthalten sind. Die ursprünglich aus Bümpliz stammende Grob, die mittlerweile seit über zwanzig Jahren in Zürich wohnt, ist eine feste Grösse innerhalb der Spoken-Word-Szene.

«Ich reime sehr gerne. Und gerne auch schlecht.»

Stefanie Grob

Auch im Radio hat sie sich einen Platz gesichert mit dem satirischen Wochenrückblick «Zytlupe». Die Texte dafür seien aber häufig nur von kurzer Halbwertszeit, und deshalb habe sie nur einige «Zytlupe»-Beiträge zu Dauerbrennern wie Frühfranzösisch oder zur Umweltverschmutzung für «Budäässä» ausgewählt, erklärt Grob.

In der Überzahl sind Geschichten zu ihren Kindern sowie Gedichte und allerlei Prosatexte zu einer Vielfalt von Themen, wie etwa der steinreichen Grosstante Alice oder dem rudernden Ruedi.

Texte funktionieren auch schriftlich

Häufig sind es weibliche Figuren namens Simä, Ada oder Nadine, die eine kurze Episode aus ihrem Leben preisgeben. Komik, aber auch Tragik kommen dabei nie zu kurz. Mündlich vorgetragen entfalten die Texte ihre volle Wirkung, aber auch auf dem Papier enthalten sie immer noch viel Sprengpotenzial.

«Im Coop ar Kassä» ist eine der besten Erzählungen im Buch. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte, aber eine mit bösem Ende, bei der man immer weiterlesen und sich in den gedruckten Seiten verlieren möchte. Oder eben die Gedichte über Ruedi, der rudert und ein Känguru in der Aare findet. Sehr witzig ist das.

Hartes Künstlerleben

Zu gerne würde man die Autorin lesen hören. Doch das geht nun leider nicht. In Zeiten von Corona ist das Künstlerleben hart. Stefanie Grob und ihr Partner sind beide freischaffende Autoren, ohne Auftritte und Präsenz in den Bücherläden brechen die Verkaufszahlen ein.

Dafür haben sie eine neue Aufgabe: das Homeschooling von drei Kindern. «Man definiert sich ja schon über den Beruf, und im Moment bin ich nicht mehr Autorin, sondern Ersatzlehrerin für die Kinder», sagt Grob. Darüber macht sie jetzt auch eine Sendung auf Radio SRF 1.

«Ich bin nicht mehr Autorin, sondern Ersatzlehrerin für die Kinder.»

Stefanie Grob

«Froh um ein Ventil»

«Ein bisschen inkonsequent», gibt sie zu. Denn ihr grause jetzt schon vor der Flut künftiger Bücher über Corona, die ab Herbst auf uns zukomme, und jetzt schreibe sie selber auch noch darüber. Aber für sie sei es super, mit der Sendung «Apropos Homeschooling» ein Ventil zu haben – jeden Sonntagnachmittag nach vier Uhr.

Grob telefoniert jeweils mit einem Gast, dabei waren schon Simon Chen und Uta Köbernick. Sie reden über den Unterricht der Kinder und wie sie als Eltern mit dem Alltag umgehen, ohne verrückt zu werden. Das Schlusswort übernimmt jeweils Matto Kämpf. «Ich bin dann auch nicht traurig, wenn die richtige Schule wieder beginnt, aber im Moment mit der Sendung fägts», sagt Grob.

Komik im Familienleben

Grob blickt in ihrem neuen Buch auch auf alte Zeiten zurück: Wie sie den Kindern Marias Empfängnis erklären muss zum Beispiel und dann eine Geschichte erzählt, wie Maria den Esel falsch geparkt hat und darum im Gefängnis gelandet ist.

«Es steckt so viel Komik im Familienalltag», sagt Stefanie Grob. Deshalb könnte sie sich auch nicht entscheiden zwischen Satire und Bühnentexten: «Ich brauche beide Sorten von Texten, die bissigen kurzlebigen, die sich auf die Woche beziehen, und die lang haltbaren über die Kinder und Alltagssituationen.»

«Ich brauche sowohl die bissigen, kurzlebigen Texte als auch die lang haltbaren.»

Stefanie Grob

Natürlich auf Berndeutsch

Die berndeutschen Texte beinhalten viele «ä» wie in «Budäässä», das Wort ist eines von Grobs Lieblingen. Die Autorin schreibt so, wie sie redet, sie will kein perfektes Berndeutsch. Und hat bisher auch nicht zum Zürcher Dialekt gewechselt: «Meine Kinder wechseln zwischen Zürichdeutsch und Berndeutsch, bei mir ist es beim alten Dialekt geblieben, mit einigen Worten Zürichdeutsch», erklärt Stefanie Grob.

Für Grob gibt es aber auch keinen reinen Dialekt: «Überhaupt finde ich genau das Schöne am Schreiben in Mundart, dass es keine Regeln gibt.»

Ohne Regeln und in lebendiger, fetziger Sprache, auch mit Fluchwörtern und schon mal ironisch, das sind die Texte von Stefanie Grob. Diese Autorin hat etwas zu sagen und will auch gehört werden. Und der Ruedi? Wenn er nicht gestorben ist, rudert er noch immer.

Stefanie Grob: «Budäässä». Der gesunde Menschenversand, Luzern, 2020. 175 Seiten, ca. 27 Fr.